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 Waiwai | 6x17

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BeitragThema: Waiwai | 6x17   Mi Jun 01, 2016 11:01 pm

Kurzbeschreibung
Das Team befindet sich auf der Suche nach einem russischen Spion, der wichtige Daten von der NSA gestohlen hat. Als sie langsam hinter die Wahrheit kommen, um was für sensible Daten es sich dabei handeln, schwebt ein Mitglied ihrer Ohana bereits in Lebensgefahr.


SPOILERWARNUNG STAFFEL 5 & 6
Ich konnte die Finger von der kommenden Folge lassen ...
Wie immer gehört mir nichts von Hawaii Five-0, sondern CBS und Peter Lenkov. Genauso wenig wie mir die Charaktere gehören. Ich verdiene hiermit kein Geld und nur die Klicks, Favos, Sternchen und Kommis sind mir Einkommen genug. Am Ende wird alles zurückgegeben, im mehr oder weniger Originalzustand *zwinker* *hüstel*
Viel Spaß beim Lesen!

LG Alexey


1 – Ein neuer Fall und erschütternde Nachrichten

Steve kniete am Strand des sonst so überfüllten Waikīkī Beach, den die Polizei nun großzügig abgesperrt hatte. Direkt vor ihm lag ein toter junger Mann, dessen Identität noch nicht geklärt war. Sowohl seine legere Kleidung, als auch seine Haare und die Haut waren vom Salzwasser des Pazifiks durchtränkt und mit dem schweren Sand bedeckt. Max, der auf der gegenüberliegenden Seite des Toten kniete, untersuchte bereits vor Ort die klaffende Wunde am Hals. Das Blut war mittlerweile fortgewaschen und nur noch blassrosa war die Innenseite des Halses zu sehen, in der sich eine Salz- und Sandkruste gebildet hatte. Der Schrecken des Mannes stand ihm in die blauen Augen, die mit einem grauen Schleier bedeckt waren. Steve warf sein Augenmerk auf die Kleidung. Kurze Shorts, ein helles T-Shirt, befleckt von einer breiten Blutspur, und Turnschuhe komplettierten sein Outfit. An seinem linken Handgelenk war der helle Abdruck einer Uhr zu sehen und bereits das Abtasten der Leiche hatte ergeben, dass auch die Geldbörse fehlte. Wenn sich Steve nicht irrte, fehlte auch ein Ohrstecker.
»Haben wir es hier mit einem Raubmord zu tun, Max?«, fragte er den Pathologen höflich, der gerade den Kopf des Toten beiseite gedreht hatte, um die Wunde genauer in Augenschein zu nehmen. Er hob geradewegs den Kopf. »Genaueres kann ich erst sagen, wenn er auf dem Tisch liegt, aber nach den ersten Anzeichen hatte sein Mörder eine Wut gehabt. Diese Wunden muss ich erst noch genauer unter die Lupe nehmen, um ganz genau zu sagen mit welcher Waffe sie zugefügt wurden. Auch den Todeszeitpunkt muss ich erst berechnen. Aufgrund der Tatsache, dass unser Toter im Meer gelegen hat ist es schwer abzuschätzen seit wann er tot ist, das hängt ganz davon ab, wie lange er im Pazifik gelegen hat und wie lange er davor schon tot gewesen ist.«
Dankend erhob sich der Commander. Es war ein früher frischer Morgen auf Hawaii. Doch die kühle war nur ein Trugbild von angenehmen Temperaturen. Es würde, wie die letzten Wochen auch schon, schwül und heiß werden. Mit jeder Menge Luftfeuchtigkeit. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Sintflut über die Insel hinwegfegte. Bis jetzt zeigten die kleinen Wölkchen noch nicht das Unwetter an, das sich mit Sicherheit bereits irgendwo gebildet hatte. Hawaii war in seinem Wetter so unberechenbar wie die raue See vor ihren Füßen. Es konnte noch so Sonnig und blauer Himmel sein, im nächsten Moment konnte immer das Wetter recht schnell umschlagen und den Tag in Dämmerung hüllen. Doch Steve mochte das sprunghafte Wetter, es war wie ein Stück Heimat.
Chin und Kono waren dabei die Spuren am Strand zu sichern, welche es vielleicht noch zu finden gab und mit dem Toten an Land gespült worden waren. Grover redete mit dem Mann, der den Toten entdeckt hatte und Danny glänzte mit seiner angekündigten Abwesenheit. Er brachte sein Äffchen zum Flughafen. Gemeinsam mit dem Cheerleader-Team ging es zu den Nationalen Meisterschaften nach Hawai'i. Sobald seine Tochter sicher mit dem Flugzeug gestartet war, würde er wieder dazu stoßen. Bis dahin war das Team nicht ganz vollzählig.
Schließlich hatte Max seine ersten Befunde vor Ort abgeschlossen und gab seinem Team einen Wink, dass sie die Leiche einpacken und ins gerichtsmedizinische Institut bringen sollten. Schließlich näherte sich dem Navy-SEAL die schwarzhaare Hawaiianerin und schüttelte den Kopf. In diesem Zug zog sie sich auch die Einmalhandschuhe aus, an denen noch Reste des Sandes klebten. Mittlerweile war auch die Sonne aufgegangen und beschien sie mit einem recht warmen Sonnenstrahl. Schließlich befanden sie sich leicht nördlich des Äquators. »Nichts zu finden, Boss. Wir müssen so rausfinden, wer der Kerl ist. Keine weiteren Spuren.«
»Okay. Sobald Grover die Aussage hat, fahren wir zurück ins Büro.«

* * *

Auf dem Smarttable hatte Steve bereits die Fotos vom Tatort gezogen und im Hintergrund durchforstete das Gesichtserkennungsprogramm sämtliche Datenbanken, auf welche die Task Force Zugriff hatte. Mit Glück war das Gesicht des Toten irgendwo gespeichert. Dann war die weitere Ermittlung um einiges leichter. Bis dahin sichteten sie die Fotos vom Tatort und schauten selbst noch einmal in Ruhe nach, ob sie vielleicht etwas übersehen hatte. Doch selbst vier Augenpaare konnten auf den Fotos nichts weiter entnehmen, als sie ohnehin schon wussten. Der Tote glich einem Gespenst. Er trug nichts bei sich, das zu einer zweifelsfreien Identitätsklärung beitrug. Wer auch immer der Mann war, Five-0 hatte momentan keine Ahnung. Nun blieb ihnen nur noch die Möglichkeit, dass Charlie etwas mit der DNS anfangen konnte oder der Tote ein Implantat mit einer Seriennummer trug.
Jedoch hellte sich Konos Gesicht auf und sie versuchte es über anderen Wege. »Unser Toter ist kein Einheimischer. Hoffen wir, dass er nicht einmal auf O'ahu gelebt hat. Dann können wir ihn mittels den Überwachungskameras im Flughafen aufspüren. Ein Treffer führt zu einer Passagierliste und diese zum Name unseres Mannes.«
»Gute Idee, Cousinchen. Und wenn wir den Namen haben, ist vielleicht klar, was er hier wollte und wer ihm ans Leder gegangen ist.« Chin verschränkte die Arme und beobachtete die junge Hawaiianerin, wie sie mit flinken Fingern über die Tastatur flog und wenig später das Gesicht des Mannes auf sämtlichen Überwachungskameras des Honolulu International Airports suchte.
Nach einer gefühlten, ewigen Suche meldete sich endlich das Smarttable und zeigte den Ermitteln das erhoffte Ergebnis. Gleich auf mehreren Kameras war der Tote gesichtet worden. Kono blieb weiterhin an den Tasten des Computers und lieferte dem Team bald schon die Identität des Mannes. »Sein Name ist Alexander Dearing. Er landete gestern Nachmittag und checkte noch am selben Tag im Hilton ein. Er reiste aus Washington DC ein. Und er arbeitet als Analyst bei der NSA.«
Steves Augenbrauen schossen beim letzten Satz in die Höhe. Ihm stand genau dieselbe Aussage auf der Stirn geschrieben, wie die, die Grover aussprach. »Mich beschleicht das ungute Gefühl, dass unser Fall mit der NSA zu tun hat.«
Alle anderen stimmten ihm zu. »Grover und ich fahren ins Hilton Hotel und schauen uns in seinem Hotelzimmer um. Vielleicht war er auch nur auf Urlaub hier und wurde bei einem klassischen Raubüberfall ermordet. Ihr beide fragt bei der NSA nach und findet raus, ob Dearing aus beruflichen Gründen nach O'ahu geflogen ist.«
Damit waren ihre Aufgaben fürs erste Aufgeteilt und die beiden Ermittler verließen das Büro. Grover stieg bei Steve in den Silverado ein, was ausgesprochen selten vorkam, doch der imposante Captain wollte bei diesem Fall mit Steve noch reden. Auf ihrer Fahrt zum Hilton Hotel wurden sie jedoch vom klingelnden Handy des Commanders unterbrochen. Ein kurzer Blick auf das Display genügte, damit er wusste, dass Danny anrief. Sofort nahm er das Gespräch an und stellte es durch die Bluetooth-Verbindung im Auto auf laut. »Was gibt es Partner?«
»Gracie ist gerade abgeflogen. Wo finde ich euch?«
»Komm zum Hilton Hotel. Dort wartet eine Zimmerdurchsuchung auf uns. Alles Weitere erkläre ich vor Ort.« Damit legte der Commander auf. Es herrschte einige Minuten schweigen im Inneren des Wagens. Steve konzentrierte sich auf den morgendlichen Verkehr von Honolulus Straßen. »Was meinst du, Steve, wieso wurde der Kerl umgebracht?«
»Ich kann dir nur Mutmaßungen anbieten, Lou. So wie Dearing gekleidet war, ist er vermutlich Joggen gewesen und das auf keinen Fall heute Morgen oder zur nächtlichen Zeit. Er war bestimmt gestern Abend noch laufen, als ihm sein Mörder über den Weg gelaufen ist. Entweder war er Opfer eines Raubes, es sollte nur so aussehen oder da steckt noch etwas Anderes dahinter, von dem wir keine Ahnung haben.«
»Ganz meiner Meinung«, brummte der Braune. Steve hielt bereits auf dem Parkplatz des berühmten Hilton Hotel, in dem bereits eine Menge Prominenter genächtigt hatten und stiegen aus dem imposanten, metallicblauen Pick-Up aus. Gemeinsam schritten sie auf den Eingangsbereich des Hotels zu. Am Empfang zeigte Steve seine Marke und fragte nach der Zimmernummer ihres Toten. Bereitwillig gab ihm die junge Frau Auskunft. Gemeinsam schritten sie schließlich mit einer Schlüsselkarte in der Hand auf den Fahrstuhl zu und machten sich auf den Weg zum Zimmer.
Oben angekommen wichen sie einem Zimmermädchen aus, das gerade den Teppich saugte. Etwas ungelenk schaffte es Lou gerade noch so auszuweichen. Steve konnte sich bei diesem Manöver das Grinsen nicht verkneifen. »Was grinst du so, McGarrett?«, zischte ihm sein Teammitglied zu. Der Commander hörte immer noch nicht auf. »Das kam einem Walross nahe, das zu spät den Eisberg gesehen hat.«
»Pass auf, ich bin grazil wie eine Gazelle und schnell wie ein Jaguar, du willst nicht erleben, wie ich dir an den Fersen klebe wie ein Kaugummi«, brummte der Chicago-Cop verdrossen und mit einem säuerlichen Ton in der Stimme. Wenig später erreichten sie das Zimmer vom Analysten. Außen an der Türklinke hing das ›bitte nicht stören‹-Schild für die Putzkraft im Hotel. Andächtig warf der SEAL seinem Begleiter einen Blick zu. Ihnen beiden war klar, dass Dearing dieses Schild nicht angebracht hatte. Sofort steckte Steve die Schlüsselkarte ins Schloss und sie traten ins Hotelzimmer ein.
Im Gegensatz zu diesem Zimmer, sah es bei Hempels unterm Sofa vermutlich ziemlich ordentlich aus. Wer sich auch immer hier Zutritt verschafft hatte, war nach etwas auf der Suche gewesen. Hier hatte eine Bombe eingeschlagen. Der Kofferinhalt war durchwühlt und auf dem Boden verteilt worden. Sämtliche Schubladen aufgerissen und sogar die Minibar und das Bett hatte derjenige verrückt. Auch die Matratze lehnte an einer Wand. Auf dem Lattenrost des Bettes lag ein leerer, brauner Dokumentenumschlag. Sofort zog Steve ein Handschuh hervor und griff damit nach dem Umschlag. Ein kurzer Blick hinein sagte ihm, dass er leer war. Ein Aktenkoffer lag ebenfalls am Boden und das Futter war mit einem Messer rausgeschnitten worden. Sofort war dem Team klar, dass es bei diesem Fall weit mehr als um Raubmord ging. Alexander Dearing war das Opfer eines gezielten Anschlages geworden. Doch was wollten der oder die Täter von ihm? Was war an diesem Analysten so wichtig, dass er dafür sterben musste und sein Hotelzimmer auf den Kopf gestellt wurde?
Fragen, die sie erst noch klären mussten. Grover hatte unterdessen sein Handy gezückt und rief die Spurensicherung her. Sie sollten das Hotelzimmer unter die Lupe nehmen und etwaige Spuren finden, die hoffentlich die Identität des Unbekannten klären würden. Unterdessen klingelte Steves eigenes Handy in der Hosentasche. Er nahm geradewegs ab. »McGarrett«
»Steve, wo seid ihr? Ich bin unten im Eingangsbereich des Hotels«, flötete ihm geradewegs die Stimme seines Partners entgegen. Steve gab ihm die bereitwillige Auskunft ihres Aufenthaltsortes. »Brauchst aber nicht hoch zu kommen. Wir treffen uns im Sicherheitsbüro. Wir müssen die Kameras prüfen und rausfinden, wer das Zimmer so verwüstet hat. Lou bleibt hier oben und wartet auf die SpuSi. Sobald die hier ist, wird er die Leute befragen.«

* * *

Danny wartete bereits leicht ungeduldig auf seinen Partner, bis er diesen endlich um die Ecke biegen sah. Bis jetzt hatte er noch keinen blassen Schimmer, was genau die Task-Force wieder für einen Fall zu bearbeiten hatte. Ein wenig war er traurig, dass sein Äffchen für die nächsten Tage nicht zuhause war, doch er gönnte es ihr. Grace hatte sich wochenlang auf die Meisterschaftskämpfe gefreut und war vollkommen aus dem Häuschen, nachdem ihre Schule die Qualifikationen gewonnen hatte. Mit den Gedanken war er bei Grace und drückte ihr alle verfügbaren Daumen und Zehen, die er entbehren konnte. Kaum war Steve in Rufweite, sprach Danny ihn bereits auf den aktuellen Fall an. »Was genau haben wir jetzt zu bearbeiten?«
»Toter NSA-Analyst und sein Tod sieht nicht gerade danach aus, als wäre der Zufall daran schuld.«
»Wann hat der Zufall jemals Schuld daran, dass jemand stirbt?«, erwiderte Danny daraufhin. Jedoch erntete er von Steve nur ein genervtes Augenrollen. »Grace ist auf dem Weg nach Big Island?«
Der Detective nickte, wirkte jedoch wie drei Tage Regenwetter. Leider war Danny nicht als Begleitung ausgewählt worden, da Graces Klassenlehrerin noch deutlich vor Augen gestanden war, was sich das letzte Mal abgespielt hatte, als Danny bei der Klasse gewesen war. Damals hatten ihn die Marchels direkt vor den Augen seiner Tochter mitgenommen. Aus diesem Grund war der Vater eines anderen Cheerleaders mitgekommen. So musste der Jersey-Cop sein Dasein auf O'ahu fristen und brav seine Arbeit tun. Gemeinsam schritten sie nun ins Büro des Sicherheitsdienstes. Nach einer knappen Schilderung der Dinge, durften sich die beiden Five-0 Ermittler die Videobänder anschauen. Entgegen ihrer Erwartung erhielten sie ein recht klares Bild vom Mann, der Dearings Hotelzimmer durchwühlt hatte. Nur ein einziges Mal blickte er in die Kamera, sodass die Task Force ein klares Bild von ihm hatte. Sofort hielt Steve das Video an und machte einen Screenshot. Diesen schickte er den verbliebenen Ermitteln im Hauptquartier. Sobald seine Identität geklärt war, sollten sie ihren Boss wieder anrufen. Im Hotelzimmer selbst würden sie kaum eine Chance auf Beweisspuren haben. Der Kerl hatte Handschuhe getragen. Sofort äußerte Danny seine Gedanken dazu. »Entweder ist ihm mit der Kamera ein kleiner, aber gravierender Fehler unterlaufen oder aber er hat es aus Absicht gemacht, um uns zu provozieren.«
»Also ist er im Klartext entweder ein Trottel oder ein eiskalter Killer.« Danny schnaubte bei den Worten seines Partners durch die Nase. »Musst du meine Sätze immer wiederholen.«
»Ich habe deinen Satz nicht wiederholt, nur deine langatmige Rede verkürzt«, erwiderte Steve nüchtern. Der Jersey-Cop schüttelte den Kopf. »Es ist mir ein Wunder, wie ich die letzten fünf Jahre an deiner Seite überlebt habe und ich noch nicht in die nächste Klappsmühle eingecheckt habe – aber nein, streng genommen müsste ich dich einweisen, du irrer Ninja!«
Steve ignorierte die Worte von Danny geflissentlich und bedankte sich beim Wachmann des Hotels und zog seinen Partner aus dem Büro hinaus, ehe noch mehr anwesende Personen neugierig ihre Köpfe hoben. Einer von ihnen murmelte bereits: »Wie lange sind die bereits miteinander verheiratet?«
Draußen wartete bereits Lou auf sie. Er lehnte gegen die Wand und lächelte versonnen in sich hinein. »Wieso grinst du wie ein Honigkuchenpferd in dich hinein?«, wollte Danny neugierig von ihm wissen. Lou löste sich von der Wand ab und gab ihm eine Antwort darauf. »Euch, oder besser gesagt dich, Danny, hört man bis hier draußen auf den Gang keifen. Ihr wollt uns doch nicht wieder erklären, dass ihr nicht heimlich geheiratet habt?«
»Sei du nicht so vorlaut, Walross«, brummte Steve leicht verstimmt. Langsam wurde es zu einer nervenden Gewohnheit, dass alle und jeder meinten er und Danny seien miteinander verheiratet. War es anfangs noch recht lustig, nervte es nun sehr. »Walross?«, kam es knapp fragend und verwirrt aus Dannys Mund. Er hatte keine Ahnung, was Steve damit andeuten wollte. Gut, Grover war in der Mitte herum etwas breit, aber noch soweit zusammen um einen Verdächtigen zu verfolgen und Dingfest zu machen, daher hatte er keine Ahnung, was Steve damit sagen wollte.
»Klappe, Jersey!«, erschall es deswegen synchron aus dem Mund vom Commander und dem Captain. Sofort schwieg der Detective. Gut, die beiden wollten nicht darüber sprechen.

* * *

Zurück im Büro, wurden die drei bereits von Kono und Chin erwartet. Ihnen war es gelungen, die Identität des Mannes zu klären, der das Hotelzimmer des Toten durchwühlt hatte, um vermutlich den Inhalt des Briefumschlages an sich zu nehmen. Um was es sich dabei jedoch handelte, konnte keiner von ihnen sagen. Beim Verlassen des Hotelzimmers hatten sie es auf dem Video nicht sehen können. Sofort versammelte sich das Team um das Surftable. »Er ist ebenfalls gestern Nachmittag mit dem Flugzeug gelandet. Laut Flugunterlagen ist sein Name Tobias Franklin. Es gibt nirgendswo eine Aufzeichnung, wo er eingecheckt hat. Entweder wohnt dieser Franklin bei einem Freund oder er hat mit einem weiteren falschen Namen in ein Hotel ein Zimmer gemietet. Denn zu diesem Franklin gibt es, abgesehen von einem gültigen Reisepass, keine weiteren Daten. Wer auch immer dieser Mann ist, er ist mit einem oder mehreren gefälschten Ausweisen unterwegs«, beendete Chin die Ausführung zu ihrem Mann, der so ausgiebig das Zimmer durchwühlt hatte. Steve wirkte einen Moment nachdenklich. »Hat die Nachfrage bei der NSA etwas ergeben?«
»Seine Arbeitsstelle in Washington hat sich quer gestellt und die Außenstelle hier auf Hawaii hat uns noch keine Informationen gegeben.« Steve schüttelte daraufhin jedoch nur den Kopf. Bevor das Team sich jedoch auf den Mann mit der falschen Identität konzentrieren konnte, wurde hinter ihnen die Doppeltür geöffnet und ein Mann betrat das Büro. Sofort wandten sich ihm alle Anwesenden zu. Er trug einen Besucherausweis an seiner Brust. »Commander McGarrett?«, fragte er in die Runde hinein. Steve nickte ihm zu und verschränkte die Arme. »Und Sie sind?«
»Können wir unter vier Augen sprechen?« Fragend wurde er von dem Fremden angeblickt, bis Steve mit einem Nicken zustimmte und auf sein eigenes Büro zutrat. Ehe er dort jedoch einbog, wandte er sich nochmals an sein vollzähliges Team, dass es schon seit längerem nicht mehr gewesen war. »Findet raus, was Franklin hier wollte und fragt beim Kriminallabor und Max nach, wie weit sie sind.« Danach betrat er mit dem Fremden sein Büro. Sobald sich die Tür schloss, drehte sich der Navy-SEAL zu ihm um. »Was wollen Sie von mir?«
»Mein Name ist Agent Costland. Ich bin von der NSA, es geht um Catherine Rollins.«
Vollkommen überrumpelt stand Steve da und wusste nicht, was er sagen sollte. Die Gedanken drehten sich in diesem Moment im Kreise und er hatte überhaupt keine Ahnung, was er momentan noch denken sollte. Wieso wurde Catherine nach so langer Zeit wieder angesprochen. Sie befand sich irgendwo im Nahen Osten im Einsatz und hatte ihn einfach so auf Hawaii sitzen gelassen. Eine schmerzende Wunde in seiner Brust wurde in diesem Moment wieder aufgerissen. Steve wirkte, als hätte ihm jemand mit einem Brett ins Gesicht geschlagen. Der Schock stand ihm in die Augen geschrieben. »Was … Wieso?« Er wusste nicht, was er fragen sollte.
»Haben Sie in den letzten Monaten mysteriöse Anrufe erhalten?« Sofort fielen sie Steve an. Schon mehrmals hatte er versucht, eine Antwort bei der stillen Leitung zu erhalten. Es war jedes Mal dieselbe Nummer eines Sattelitentelefons gewesen. Mehrmals hatte er den Namen seiner Ex-Freundin gesagt, doch nie hatte er eine Antwort erhalten. Viel mehr hatte der geheimnisvolle Anrufer aufgelegt. »Ihr Gesicht sagt mir, dass Sie wissen, wovon ich spreche.«
Nur langsam nickte der Commander. Noch immer war er viel zu überrumpelt, um die gesamte Tragweite zu verstehen. Nur langsam sickerte die Wahrheit zu ihm durch, dass dieser Mann vor ihm zur National Security Agency gehörte. Der Behörde, mit der sie zufällig bei ihrem aktuellen Fall ebenfalls zu tun hatten. Gehörten diese beiden Sachen eventuell zusammen?
»Was ist mit Catherine los?«
»Sie befand sich mit dem Militär und einigen Agenten der NSA im Nahen Osten auf einer geheimen Mission. Worum es genau ging, darf ich Ihnen nicht sagen, doch das muss ich Ihnen nicht erklären. Jedenfalls riss eines Tages der Kontakt zum Team ab. Monatelang suchten wir nach ihnen, bis uns auffiel, dass immer wieder kurze Anrufe hier her nach Hawaii gingen. Dadurch war es uns möglich, das Team zu orten.«
Steve wurde durch diese Worte noch immer verwirrter. Wenn sie das Team doch gefunden hatten, wieso stand dann hier ein Agent der NSA und sprach mit ihm? Das Gesicht des Agenten vermochte Steve nicht zu deuten. Dafür herrschte in seinem eigenen die blanke Verwirrung vor. »Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass wir Lieutenant Rollins Leiche gefunden haben. Sie hatte bis zum Schluss gekämpft und zwei meiner Leute das Leben gerettet. Ohne ihren Einfall, Sie anzurufen, Commander, hätten wir unsere Agenten niemals wiedergefunden.« Kaum hatte er die Worte des Mannes vernommen brach eine Welt über Steve zusammen, dass er glaubte, ihm hätte jemand den Boden unter den Füßen weggezogen. Vollkommen paralysiert und geschockt ließ er sich auf seine Couch sinken. Er hatte mit allem gerechnet, doch damit …?! Er schüttelte den Kopf. Auch wenn er geglaubt hatte, unsagbar wütend auf Cath zu sein, überrollte ihn in diesem Moment der Schmerz. Catherine sollte tot sein und niemals wiederauftauchen. Ihm wurde bewusst, dass Cath es irgendwie geahnt hatte. Bei ihrem Wiedereintritt in die Navy würde sie Steve als Wittwer zurücklassen, wenn sie heiraten würden. Nun hatte er Lynn gefunden und war mit ihr so glücklich, wie schon lange nicht mehr. War Cath von Anfang an klar gewesen, dass diese Mission ein Fehlschlag war oder nur der berühmte Bauchinstinkt eines Soldaten?
Steve schüttelte den Kopf. Noch immer stand Agent Costland in seinem Büro, wirkte jedoch nicht so, dass er am liebsten gehen wollte. Stattdessen beobachtete er den Commander. Jedoch glitt sein Blick bald schon vom Soldaten hinauf durch die Fensterscheibe. Direkt auf den Bildschirm an der Wand. »Ach du Scheiße!«, brachte er unvermittelt heraus. Steve schreckte bei diesen Worten aus seinen Gedanken aus und warf einen Blick auf das Gesicht des Agenten. Dieser war gerade Kalkweiß geworden. Sofort erhob sich der Commander und folgte seinem Blick. Auf dem Bildschirm war das Bild des toten Alexander Dearing zu sehen. »Axe …«
»Sie kannten ihn?«, war Steves unvermittelte Frage auf den Ausruf des NSA-Agenten. Dieser nickte nur abwesend. Offenbar erfuhr er in diesem Moment höchst selbst, was Steve wegen der Neuigkeit durchmachen musste. »Wir haben ihn heute Morgen tot am Waikīkī Beach gefunden. Sein Hotelzimmer war vollkommen durcheinander. Auf den Überwachungsbildern konnten wir zudem das Gesicht desjenigen einfangen, der für das Chaos verantwortlich gewesen ist. Sein gefälschter Name ist Tobias Franklin.«
»Darf ich ein Bild von dem Kerl sehen?«, fragte der Agent ohne zu zögern nach. Steve nickte und stand auf. Noch immer warne die verräterischen Spuren von Tränen in seinen Augen zu erkennen, doch er hatte sich recht gut wieder im Griff. Dazu war er viel zu sehr ein Navy-SEAL. Er verließ mit Costland im Schlepptau das Büro und trat auf das Surftable zu. »Kono, zeig unserem Besucher ein Bild von Franklin. Vielleicht kann uns Agent Costland bei diesem Fall weiterhelfen. Er kannte unseren Toten.«
Nickend lud sie das Screenshot auf einen der externen Bildschirme. Es dauerte nur einen Moment, in denen der Agent dieses Gesicht analysierte. »Ihn habe ich heute Morgen bei uns in der Zentrale gesehen. Ich habe ihn noch nie gesehen. Wir haben die Meldung erhalten, dass Axe, also Analyst Dearing, als Unterstützung in einem Fall auf die Insel kommen würde, aber ich hatte mich bereits gewundert, wieso er sich bei mir noch nicht gemeldet hatte. Er meinte, er würde vorbeikommen, sobald er auf der Insel landen würde. Wenn ich gewusst hätte, dass dieser Kerl an Axes Stelle in die NSA-Zentrale gegangen ist …« Den weiteren Satz beließ der NSA-Agent unbeantwortet. Jeder hier im Raum wussten, worauf es hinauslaufen würde. »Woher kennen Sie Dearing?«, wollte Danny daraufhin von ihm wissen. Er stand an das Surftable gelehnt und hatte zuvor nur Steve intensiv gemustert, ehe er nun den Agenten in Augenschein nahm. Was Bundesbehörden anging, war Danny ausgesprochen schlecht auf diese zu sprechen. Ganz besonders nach der Aktion, als ihn die CIA verschlepp hatte, vor ein paar Jahren.
»Ich habe bis vor ein paar Jahren noch an der Ostküste gewohnt und ziemlich oft mit ihm zusammengearbeitet. Irgendwann wurde eine Freundschaft daraus. Sie blieb bestehen, auch wenn ich aufs sonnige Hawaii versetzt wurde. Wissen Sie schon, wer ihn umgebracht hat?«
»Wir sind noch daran«, sprach Steve aus, »entweder war es dieser Franklin oder er hatte einen Komplizen.«
Schließlich bedankte sich das Team bei der Auskunft über ihren Toten. Costland bot an, dass sie ihn anrufen sollten, wenn sie nochmals Hilfe von der NSA benötigten. Danach verabschiedete er sich von der Task Force. Sobald der Agent aus der Tür verschwunden war, wandte sich das Team an ihren Boss. Dieser hatte sich mittlerweile jedoch wieder unter Kontrolle. »Was wollte Costland von dir? Ich meine, wegen Catherine?«, fragte Danny ihn geradeheraus.
»Später«, meinte Steve dazu nur. Er wollte erst einmal selbst mit der Offenbarung fertig werden. Catherine hatte ihn andauernd angerufen, damit sie geortet werden konnte. Wieso er und nicht jemand anderes? Sie hätte das Militär verständigen können oder die NSA selbst. Aber warum er, Steve McGarrett, den sie so kaltherzig abserviert hatte? Dieses Rätsel würde er wohl niemals lösen können, denn für Antworten war es bereits zu spät. Außer … außer er würde die Agenten aufspüren, die mit Catherine und weiß Gott wem noch, an dieser geheimen Operation beteiligt gewesen war.

* * *

In Max‘ Gefilden angekommen, nahm Danny nun endlich seinen Partner beiseite und blickte ihn intensiv an. Auf der Fahrt hier her, hatte sich Steve, wie so oft, den Autoschlüssel unter den Nagel gerissen. Stur und besonders schweigsam war er hierhergefahren. Auf alle Fragen bezüglich Agent Costland hatte Steve unkommentiert im Camaro stehen gelassen. Nun jedoch wollte der Jersey-Cop endlich eine Antwort auf die Fragen haben.
Steve wusste, dass er bei diesem Blick kaum eine Chance hatte, sich aus der Affäre zu ziehen. Leider wusste Danny sehr gut, wie er den Commander bearbeiten musste, um endlich den Soldaten zum Reden zu bringen, was sowieso eine Kunst für sich war. Doch seinem vorlauten Partner konnte er jetzt nichts abschlagen. Seufzend lehnte sich Steve gegen die Wand im Flur vor Max‘ Räumlichkeiten. »Okay, ich sage es dir.«
»Wird auch endlich Zeit. Also, was wollte Costland von dir? In was für Schwierigkeiten hat sich Catherine diesmal wieder befördert?« Die Neugierde und auch leichter Zorn war in seinen Augen zu sehen. Es hatte ihm selbst in der Seele weh getan, wie sehr ihn Catherine mit der Zurückweisung verletzt hatte. Steve war so durcheinander gewesen. Steve jedoch schloss die Augen und sperrte den Schmerz aus. Er wollte nicht hier und jetzt in Tränen ausbrechen. »Agent Costland war hier, um mir zu sagen, dass Catherine tot ist.«
Einige Augenblickte herrschte schweigen zwischen den beiden Freunden, bis Danny selbst die Nachricht verstanden hatte und merkte, dass dies kein böser Scherz seitens des Navy-SEALs war. Aus diesem Grund fragte er nochmals nach. »Wirklich?«
»Ja. Sie kam bei einem Einsatz ums Leben. Die genauen Umstände deswegen konnte mir Costland nicht sagen. Es geschah während einer geheimen Operation im Nahen Osten.«
Danny schüttelte nach dieser Offenbarung nur den Kopf. Er konnte nicht glauben, was ihm sein Partner da gerade offenbarte. Steve hatte mittlerweile die Augen wieder geöffnet und Danny erkannte den Schmerz in den Augen, sowie die Kraft, die es ihm kostete, nicht die Beherrschung zu verlieren. Es war deutlich zu sehen, dass Steve Catherine geliebt hatte. Doch sie hatte ihm das Herz auseinandergenommen und einen gebrochenen Soldaten zurückgelassen, der nur langsam mit Lynns Hilfe wieder heilte. Und nun war sie für immer aus seinem Leben geschieden. Tief atmete der SEAL durch. »Geht es wieder?«, fragte der Detective besorgt. Steve antwortete darauf nur und stieß sich von der Wand ab.
Er brauchte Ablenkung durch Max‘ Autopsiebericht.
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BeitragThema: Re: Waiwai | 6x17   Mi Jun 01, 2016 11:03 pm

2 – Unerwartete Wendungen

Max spürte bereits beim Eintreten von Commander McGarrett und Detective Williams, dass etwas nicht stimmte. Doch bis die beiden nicht selbst davon anfangen würde, hielt er sich aus der Sache raus. Er wollte schließlich nicht neugierig und aufdringlich sein. Der Vorrang ihrer Aufgabe galt nun dem Toten auf seinem stählernen Tisch. Sofort fragte Steve ihn, was denn nun bei der Autopsie herausgekommen ist. Bereitwillig erklärte er den Anwesenden die vorliegende Sachlage.
»Alexander Dearing wurde mithilfe eines schmalen, dünnen Metalldrahtes umgebracht. Jedoch hat sich der Tote noch sehr heftig gewehrt, weswegen es nun aussieht, als hätte ihm jemand versucht die Kehle mit bloßen Fingernägeln zu zerfleischen. Den Todeszeitpunkt kann ich zwischen sieben und acht Uhr abends festlegen. Näher und präziser komme ich nicht daran heran, was im Anbetracht der Zeit, die er im Wasser verbracht hat, auch eine recht gute Angabe ist. Unser Tote wurde an Land umgebracht und erst nach seinem Tod ins Wasser geworfen. Offenbar hoffte der Täter, dass die Leiche ins Meer hinausgezogen wird und nicht am nächsten Morgen an den Strand von Waikīkī angespült wird. Was jedoch der Bewegung des Meeres letzte Nacht zu schulden ist.«
»Ich bin beeindruckt, Max, dass Sie einen präzisen Bericht auch ohne Ihren wissenschaftlichen Kauderwelsch abgeben können«, brachte Danny über seine Lippen und Steve verdrehte dabei nur ein klein wenig die Augen. Sein Partner konnte es einfach nicht lassen. Max‘ Gesichtsausdruck verfinsterte sich. »Detective Williams, in den Kreisen, in denen ich verkehre, werden solcher ›wissenschaftlicher Kauderwelsch‹, wie Sie ihn nennen, ausgesprochen Geschätzt. Das zeigt von der hohen Fachkenntnis. Also würde ich Sie bitten meine Räumlichkeiten für die nächste Zeit zu verlassen, ich habe zu Arbeiten!«
Damit setzte er nicht nur den unverschämten Jersey-Cop vor die Tür, sondern den Commander gleich mit dazu. So standen sie nun vor verschlossener Tür. Steve schüttelte nur den Kopf. »Wieso musst du dich nach all den Jahren, immer noch mit Max deswegen streiten?«
»Wieso kann er meine Eigenarten nicht endlich akzeptieren?«, konterte Danny im Gegenzug. Steve schüttelte daraufhin nur mit dem Kopf. Die beiden benahmen sich wie im Sandkasten. »Schon Mal was vom Spruch ›Der Klügere gibt nach‹ gehört?«


* * *

Kaum kehrten Steve und Danny ins Büro der Task Force zurück, wurden sie bereits von Grover empfangen. »Zieht euch um, Duke hat uns gerade durchgegeben, dass Franklin auf dem Circle Drive gesehen wurde. Eine Polizeistreife ist bereits vor Ort und observiert das Gebäude, aber wir sollen schnell kommen und ihn dingfest machen.«
Sofort nickte der Commander und trat auf ihren Waffenschrank zu. Dort holten sie sich die nötige Ausrüstung, die sie für den Einsatz brauchten. Schnell waren sie vorbereitet und machten sich alle fünf gemeinsam auf den Weg zu ihren Autos. Wie immer fuhren Danny und Steve, genau wie Chin und Kono in einem Fahrzeug. Grover setzte sich hinter das Steuer seines eigenen Wagens. In einer geschlossenen Wagenkolonne fuhren sie zur angegebenen Adresse am Circle Drive.
Während sie im Innern des Camaros saßen, sprach Danny seinen Partner erneut auf seine Ex-Freundin an. »Wirst du es den anderen sagen, was mit Catherine passiert ist?«
»Wenn wir mit diesem Fall fertig sind. Bis dahin brauchen auch die anderen keine Ablenkung, was das hier betrifft. Okay?«
Danny nickte auf diese Aussage hin. Er würde sich hüten den anderen im Team etwas zu sagen. Es war Steves Sache, wann er die anderen einweihen würde. Abgesehen von Lou kannten die anderen Catherine sehr gut, nachdem sie fast ein Jahr mit der Task Force zusammengearbeitet hatte. Doch nun würde die kleine, taffe Soldatin nie wiederauftauchen.
Noch immer befand sich Steve in Gedanken bei diesen mysteriösen Telefonanrufen, der er immer wieder auf sein Handy bekommen hatte. Seit einiger Zeit hatten diese Anrufe aufgehört. Er hatte sich nichts mehr dabei gedacht, weil er selbst endlich mit Catherine Schluss gemacht hatte, nachdem er am Valentinstag Lynn erklären musste, wieso es da einen Ring in seiner Schublade gab und dieser nicht für sie gedacht war, zumindest noch nicht. Er wollte sich erst sicher sein, dass Lynn die Richtige für ihn war, ehe er noch einmal einen Versuch wagen würde, jemanden heiraten zu wollen. Das hatte bei Catherine auch so wunderbar funktioniert. Aber er war auf jeden Fall froh, sein kleines, blondes Mädchen gefunden zu haben. Sie war eine Bereicherung für sein Leben, wo er einfach vom Job abschalten konnte.
Sie erreichten endlich die Adresse am Circle Drive, dort wurde ihnen jedoch aufgezeigt, dass das HPD sehr dringend Unterstützung brauchte. Mehrere Schützen feuerten aus den Fenstern eines Wohnhauses heraus und hatten die Beamten allesamt unter Beschuss genommen. Die anrückende Task Force minderte den Schusswechsel zwischen den beiden Parteien kein bisschen. Duke nickte der Verstärkung dankend zu, ehe er sich wieder darauf konzentrierte auf die Kerle zu schießen. Sofort stieg das Team aus ihren Fahrzeugen und suchte Schutz hinter diesen. Jeder lud seine Waffen nach und zielte ebenfalls auf das Haus. »Was für ein wunderschöner Mittag auf Hawaii. Bin ich froh, dass Grace nicht hier ist«, brummte Danny verdrossen und schüttelte nur den Kopf. Steve ignorierte seinen Partner in diesem Punkt weitesgehendst und zielte auf das Haus. Leider hatten sich die Schützen – Steve vermutete drei Stück – zu gut im Haus verschanzt.
Dennoch versuchten sie alle gemeinsam die Schützen zu treffen oder irgendwie sonst unschädlich zu machen. Während Steve immer wieder auf die Fenster schoss, aus denen die Schüsse kamen, überlegte er bereits, wie er mit einem seiner anderen – berühmten – Aktionen die drei Kerle aus dem Haus bekam. Jedoch befand sich das Haus zu gut geschützt, um sich aus irgendwelchen anderen Richtungen anzuschleichen. Das war selbst ihm als Navy-SEAL ein viel zu großes Risiko. Ein Risiko, dass er momentan einfach nicht eingehen wollte.
Schließlich bemerkte Steve am Rande des Hauses eine kleine Bewegung. Jemand kleines wollte aus der Seitentür flüchten, doch er war zu weit außer Reichweite, als dass er ihn stellen konnte, aus diesem Grund, rief er einen Befehl Grover zu, der sich hinter seinem imposanten SUV verschanzt hatte. »Lou! Lauf dem Kerl hinterher!« Sofort hob der Angesprochene den Blick und folgte dem Nicken von McGarrett. Er schenkte ihm ein Zeichen, dass er verstanden hatte. »Feuerschutz!« Mit diesen Worten rannte er aus seiner sicheren Deckung hinaus. Alle anderen hielten ihm den Rücken frei und schossen auf das Haus, sodass die anderen den Captain nicht treffen konnten.
Lou rannte dem Kerl hinterher und bewies damit, dass er tatsächlich wie Kaugummi sein konnte. Trotz seiner Fülle um den Bauch herum war er durchtrainiert genug, um selbst den schnellsten Flüchtigen zu folgen. Sie lieferten sich ein kleines Rennen um die Häuserecken. Bis Lou ahnte, wohin es den Flüchtigen führte. Geschickt bog er deswegen vorher in eine der Seitengassen ein und rannte den Asphalt entlang. Immer in schneller Bewegung und mit einer Hand an der Waffe. Er würde diesen Mann nicht entkommen lassen, der da in bequemer Jogger-Kleidung vor ihm versuchte zu flüchten. Schnell erreichte Grover das Ende der Gasse und wandte sich zur Seite. An der Straßenecke angekommen hielt er die Stellung, bis sein Verdächtiger endlich um die Ecke bog und nichts ahnend die Faust des Dunkelhäutigen quer durch sein Gesicht bekam. Er wurde von der abrupten Bremsung nach hinten gerissen und landete mit einem dumpfen Aufschlag auf dem Rücken. Benommen blieb der junge Mann liegen. Lou griff sich in die hintere Tasche seiner Hose und holte die Handschellen heraus. Damit drehte er den Mann auf den Bauch und legte ihm die Handschellen an. »Hatten Sie etwa einen kleinen Unfall? Das tut mir jetzt aber leid. Sie sind festgenommen«, zischte er dem Kerl ins Ohr und riss ihn auf die Beine. Erst jetzt nahm er ihn genauer in Augenschein.
Er war gekleidet in grünweiße Turnschuhe, sowie eine dunkelblaue Jogginghose. Ein weißes Shirt und eine blaue Kapuzenjacke vervollständigte sein Aussehen. Er war schwarzhaarig und die blauen Augen blickten ihn wütend an. Offenbar hatten sie hier genau den richtigen festgenommen. Dies war niemand anderes, als Tobias Franklin, den sie wegen der Unordnung im Zimmer des Toten suchten. »Willkommen auf Hawaii, Mister Franklin, oder wie Sie sonst heißen. Ich hoffe Ihnen hat der Aufenthalt gefallen, denn jetzt wird es nur noch ungemütlicher!«
Er packte den Mann am Kragen und schubste ihn unsanft den Weg zurück, den sie gekommen waren. Er würde ihnen die Fragen beantworten, die sie dringend brauchten.
Noch während sie sich auf dem Rückweg befanden, vernahm Grover von fern das Detonieren einer Handgranate. Er hob sofort den Kopf und entdeckte aus der Richtung, wo das Haus stand, das Aufsteigen einer schwarzen Rauchsäule. Sofort beschleunigte er seine Schritte, sodass Franklin beinahe über seine eigenen Füße stolperte.
Was zum Teufel hatte McGarrett nun wieder angestellt?


* * *

Nach Grovers schnellem Abgang, kümmerten sich die Anwesenden schnell wieder um die Schützen im Haus. Durch den Flüchtenden waren es nicht weniger Personen geworden, die eine Waffe abfeuerten. Also hatte der andere sich nicht an der Schießerei beteiligt, sondern war wie ein aufgescheuchtes Kaninchen getürmt. Umso unzufriedener wurde Steve. Es war ihm nicht gerade eine Freude, dass drei solcher verdammten Schützen zwei Streifenwagen des HPDs und die Sondereinheit von Hawaii in Schach hielten, ohne dass diese an sie herankamen. Es war ein verdammt gutes Versteck, in dem sich die Personen verkrochen hatten.
Immer dunkler verfinsterte sich das Gesicht des Commanders. Bei einem Seitenblick, bemerkte es auch Danny und sich stellte ihm augenblicklich die Nackenhaare auf. »Was soll das für ein Gesicht sein Steve? Könntest du nicht wenigstens dein Aneurysma-Gesicht aufsetzten, dann wüsste ich wenigstens mit umzugehen!«, maulte der Detective leicht panisch. Dieses Gesicht hatte er an seinem Partner noch nie gesehen und so hatte er keine Ahnung, wie er darauf reagieren sollte. Steve warf ihm nur einen kurzen Blick zu. Seine Augen huschten bereits über die Dächer der umliegenden Häuser, doch nirgends fand er einen guten Platz, um die Personen dort im Haus unschädlich zu machen. Und ob er mit einer Rauchgranate überhaupt durch eines der Fenster traf, war die andere Seite. Wenn sie nur ein Stück daneben flog, entwickelte sich der beißende Rauch auf der Straße. Was für Steve kein Problem darstellte, das beinhaltete das Training eines SEALs, doch für alle anderen zählte er schwarze Karten und dann waren sie allesamt ein leichtes Ziel für die drei Schützen im Haus.
Er fluchte leise vor sich her und rutschte hinter dem Camaro in Deckung, als erneute Salven nur knapp über seinen Kopf hinwegfegte. Er musste sich erst einmal sammeln. »Wir kommen nicht ins Haus rein und erst recht nicht an die Typen ran«, fauchte Steve wütend hervor.
»Das weiß ich selber, Steve. Was schlägst du vor?«
»Ich weiß es nicht«, brummte der Commander verdrossen. Danny blickte ihn ungläubig an. Meistens brachte er an dieser Stelle einen seiner Lieblingssätze, wie ›Mir fällt da gerade etwas ein, das wird dir gefallen‹ oder etwas Ähnliches. Aber dass Steve einmal nicht wusste, was sie tun sollten, war eine Premiere. Und diese Tatsache machte dem Detective weit mehr Angst, als einer von Steves berühmt-berüchtigten Einfällen. Sie waren nun allesamt wirklich am Arsch.
Noch während Danny und Steve hinter dem schwarzen Camaro saßen und über ihre verzwickte Lage nachdachte, die erst zu Ende war, wenn einem der beiden Seiten die Patronen ausgingen, holte ihn Kono aus den Gedanken. »Boss, das gefällt mir nicht!«
Leicht richtete sich Steve auf und warf einen Blick hinüber zum Haus. Es schossen nur noch zwei von drei Personen. Doch der dritte Schütze war keineswegs getroffen. Stattdessen sah Steve den Schatten verschwommen im Haus herumirren. Er setzte sich auf und zielte über das Dach hinweg und behielt den Mann Auge. Steve hatte von hier aus keine gute Sicht, deswegen rannte er, nach einem Ruf für Feuerschutz, zu Grovers SUV herüber und bezog von dem seiner Kannte aus die Stellung. Ehe er jedoch einen Schuss abgeben konnte, trafen mehrere Kugeln das Blech des Autos. Sie prallten ab und Steve konnte noch im letzten Moment den Kopf zurückziehen, dennoch streifte ihn eine der Kugeln an der Oberkannte des rechten Unterarmes. Den Schmerz nahm er inmitten des Adrenalinschubes nicht einmal Ansatzweise wahr. Wieder wurde sie von einer Salve Kugeln eingedeckt, bis die Polizisten die Schützen soweit zurückdrängen konnten. Endlich fand Steve die Position für seinen Schuss. Er zielte und drückte im nächsten Moment ab. Der Schatten im Haus ging getroffen zu Boden. »Nummer eins ist ausgeschaltet!«, sprach er über Funk zu den HPD-Beamten herüber. Nun hatten sie nur noch zwei zu erledigen.
Ehe jedoch einer von ihnen überhaupt reagieren konnte, segelte bereits ein schwarzer, ovaler Gegenstand durch die Luft. Steve sah ihn, wie er auf sie zuflog. »Deckung! Granate!«, rief er alarmierend aus. Jeder von ihnen suchte Schutz. Steve verließ sofort seine Position bei Grovers Auto und rannte auf den Camaro zu. Im nächsten Moment detonierte die Granate. Steve verlor den Halt unter den Füßen und wurde vorwärts gerissen. Er traf auf die schwarze, glänzende Motorhaube des Sportwagens auf, wurde über sie hinweggerissen und kam voran auf dem harten Asphalt auf. Er schlitterte mit Händen und Unterarmen über die Kieselsteine und überschlug sich im nächsten Moment von der sehr harten Bremsung. Er traf mit dem Rücken auf und sein Kopf schlug auf den Boden auf. Es wurde schwarz um ihn.


* * *

So schnell wie es Grover nur möglich war, näherte er sich der Einsatzstelle. Ihm war bereits jetzt bewusst, dass etwas nicht stimmte. Von irgendwoher waren Sirenen zu vernehmen und das Geräusch von Schüssen war erstorben. Entweder war es Steve auf spektakuläre Weise gelungen, die Schützen im Haus unschädlich zu machen oder aber die Schützen hatten einen Präventivschlag gegen das HPD und die Task Force gewagt. Doch was es auch immer war, Grover musste so schnell es ging dorthin kommen. Auch wenn seine Begleitung mehr eine Last war. Immer wieder stolperte er, beschwerte sich jedoch kein Mal deswegen.
Endlich erreichte Lou die Einsatzstelle. Ihn traf geradewegs der Schlag. Die Schützen hatten geradewegs eine Granate auf das Team geworfen. Sie war inmitten der Autos detonierte. Überall lagen Splitter herum und das Heck von seinem eigenen Wagen hatte schon einmal besser ausgesehen. Als Grover ankam, rappelte sich Kono schwerfällig auf. Sie hielt sich die Hände an den Kopf. Offenbar klangen ihnen die Detonation noch in den Ohren. Auch Chin wurde munterer, trug jedoch neben seinem Auge eine Platzwunde, an der das Blut herunterlief. Sofort näherte sich der Captain ihnen. »Geht es euch gut?« Kono blickte ihren Kollegen fragend an, sie hatte seine Frage nicht verstanden, doch Chin nickte schwach mit dem Kopf und schloss vor Schmerzen die Augen. Er fasste sich mit den Fingern an die schmerzende Stelle und verzog das Gesicht. Das tat bestimmt höllisch weh. »Ich habe den Kerl hier eingefangen«, meinte er mit einem Fingerzeig auf den Langfinger neben sich. »Gut«, brummte Chin nur und rappelte sich langsam auf.
Bevor sie noch etwas sagen konnten, wurden sie bereits von Dannys Schrei alarmiert. »Steve!« Sofort sperrte Grover den Verdächtigen in seinen SUV ein, dessen Heck nur zerbeult war, aber trotzdem nicht mehr gerade nett aussah. Chin half seiner Cousine auf die Beine und folgte dem Ex-SWAT-Captain, der bereits seinen Wagen umrundete und sich dem panischen Detective näherte. Er hatte keine Verletzung davongetragen, sondern kniete an Steves Seite, der die Augen geschlossen hatte und trotz der unerbittlichen Weckversuche seines Partners nicht zu sich kam. »Komm schon, Partner!«, rief er diesem zu. Auch die Beamten des HPD näherten sich der Versammlung. Einer der Polizisten hielt sich einen gebrochenen Arm, zwei weitere hatten auch nur Platzwunden davongetragen. Duke schien von den vieren noch am besten Beieinander zu sein. Er war auch am schnellsten bei ihnen.
Der Rettungswagen näherte sich bereits der Unfallstelle und irgendwie wurde ihnen klar, dass sowohl der Beamte des HPD, als auch Steve ins Krankenhaus mussten. Sofern der Commander nicht bald wieder zu sich kam. »Komm schon, Steve …«, brachte Danny erstickt hervor. Auf Steves Unterarmen waren deutlich Schürfwunden zu erkennen. Sanft zog Lou den Detective beiseite und schlug Steve auf die Wange. »Komm schon, McGarrett. Augen auf!«
Langsam begann sich der Angesprochene zu regen. Seine Augen spielten leicht unter den geschlossenen Augenlidern, ehe er diese für wenige Momente anhob, sie aber schnell wieder fallen ließ. »Bleib bei uns, Steve!«
Mit der Ankunft des Rettungswagens hatten sie Steve soweit, dass diesem nicht mehr die Augen zufielen. Er wirkte noch einen Moment desorientiert. Wieso er am Boden lag, bekam er offenbar nicht so recht zusammen. »Eine Granate ist explodiert. Du hast dabei eine Bekanntschaft mit dem Boden gemacht, nachdem du hübsch über meinen Wagen geflogen bist«, gab ihm Danny die Antwort, um sein Gehirn wieder in Gang zu bekommen. Steve wirkte noch immer etwas verwirrt, doch dumpf erinnerte er sich an die Explosion von der Granate. »Die Schützen?«, murmelte er deswegen leise.
»Sind abgehauen. Sie haben die Gunst der Stunde genutzt. Kommst du auf die Beine?« Nur langsam nickte der Commander. Sowohl Grover, als auch Danny halfen Steve dabei, sich aufzurichten. Erschöpft lehnte er sich gegen das Vorderrad des Camaros. Unterdessen kniete sich einer der Sanitäter vor Steve und checkte ihn kurz durch. »Ist keine Gehirnerschütterung, Glück gehabt. Ich verbinde Ihnen den Streifschuss im Unterarm, aber das war's dann auch. Sollte es schlimmer werden, sollten Sie ins Krankenhaus kommen.« Steve nickte auf diesen Kommentar nur. Den Polizisten mit dem gebrochenen Arm nahmen die Sanitäter jedoch mit ins Krankenhaus. Dort sollte er gerichtet und versorgt werden. »Du bist dir sicher, dass es dir gut geht?«, wollte Danny nun doch ganz sicher von ihm wissen.
Steve warf ihm einen Blick zu, der eigentlich schon alles sagte. »Natürlich, Danno. Fahren wir zurück ins Büro und verhören diese Pfeife.« Damit deutet er mit einem Nicken auf den Verdächtigen in Grovers Auto.


* * *

Zurück im 'Iolani Palace brachte Steve den Mann höchst selbst hinunter in den Keller, um ihn zu verhören. Die anderen im Team blieben oben beim Surftable. Danny war am Tatort geblieben und untersuchte diesen gemeinsam mit Chin. Die Täter hatten in ihrem hastigen Aufbruch den Mann zurückgelassen, den Steve erschossen hatte. Sowie sie sich erhofften dort weitere Antworten zu finden, wieso Dearing umgebracht worden war und wieso Franklin bei der NSA aufgetaucht war. Irgendetwas führten diese Männer im Schilde. Die Frage nach dem ›Was‹ war in diesem Fall besonders großgeschrieben.
Mit verschränkten Armen stand Steve vor dem Verdächtigen und musterte ihn. Ehe sie ihn hier hineingebracht hatten, war Charlie aus der Kiminaltechnik vorbeigekommen und hatte ihm Fingerabdrücke abgenommen, damit sie hoffentlich so seine Identität klären konnten. »Was genau wollten Sie von Alexander Dearing?«, fragte Steve den Verdächtigen geradewegs. Bis jetzt hatte er noch nichts gesprochen. Er blickte einfach nur geradeaus ins Nichts und hielt eisern die Klappe. Steve probierte es mit den ein oder anderen Fragen. Schließlich seufzte er innerlich und ging die Befragung anders an.
Einen Moment lang ging er vor dem Mann auf und ab. »Wir wissen, dass Sie am gleichen Nachmittag wie Dearing auf der Insel gelandet sind. Aus diesen Flugunterlagen haben wir rausgefunden, dass Sie mit einem gefälschten Pass auf Hawaii eingereist sind. Hier wurden Sie unter dem Namen Tobias Franklin registriert, aber das ist nicht Ihr wahrer Name, nicht wahr? Wie heißen Sie wirklich und woher kommen Sie? Es ist wirklich nur eine Frage der Zeit, bis wir die anderen Beiden von Ihrer Gruppe festnehmen. Denn den einen habe ich bereits erschossen und befindet sich in der Gerichtsmedizin hier auf Hawaii. Also, was haben Sie bei der NSA gewollt?«
Steve blickte den Mann einige Augenblicke fragend an, doch noch immer erhielt er keine Antwort. Nicht einmal den Blick hob der Mann. Er starrte einfach nur stur geradeaus. Langsam aber deutlich riss dem Commander der Geduldsfaden.
Bevor er weiter auf den Mann einreden konnte, bekam er Antwort von seinem Team aus dem Büro. Sein Handy klingelte. Er nahm geradewegs das Gespräch an. »Ja?«
»Interpol hat einen Treffer ergeben. Unser Verdächtige heißt mit richtigem Namen Sasha Kusmin. Er ist Russe, genau wie der Tote. Dessen Name ist Dmitrij Sidorow.« Steve runzelte bei dieser Offenbarung die Stirn. Was genau wollten die Russen haben, dass sie ins Büro der NSA einbrachen? Was für Daten wollten sie stehlen oder hatten es vielleicht schon getan? Schließlich war es bereits Nachmittag und in dieser Zeit hatten sie längst die gestohlenen Daten weitergeben können. Er bedankte sich bei seinem Team und legte auf. Sein Blick wurde analytisch kalt. Der Russe hob zum ersten Mal den Kopf. Offenbar hatte er bemerkt, dass sich die Verhältnisse geändert hatten. Ihm war klar, dass das Team rausgefunden hatte, dass sie seine Identität geklärt hatten.
Während sich Steve im Keller um den Mann klärte, um endlich die nötigen Worte aus ihm herauszubekommen, standen Kono und Grover um den Surftable herum und versuchte dort die nötigen Motive herauszufinden. Was genau hatten die Russen in der NSA zu suchen gehabt? »Vielleicht wollten sie irgendwelche Daten stehlen?«
»Wenn ja, welche, Lou? Die NSA führt täglich keine Ahnung wie viele Operationen und Ermittlungen durch und die meisten sind davon auch geheim. Wir werden nicht rausfinden, auf welche Daten genau sie es abgesehen haben!«, brachte Kono auf den Punkt. Sie standen vor einer Sackgasse oder wieder am Anfang. Doch Kono hatte bereits einen Plan. »Wir müssten Costland anrufen und ihn bitten, dass er die Server durchcheckt, an welchen Stellen sich genau unser Russe heute Morgen eingehackt hat oder wo er sich im Gebäude aufgehalten hat, dann können wir hoffentlich rausfinden, welche sensiblen Daten genau dieser Kerl mitgenommen hat.«
»Klingt gut«, sprach Grover aus und griff bereits nach seinem Handy. Kono tippe auf dem Surftable herum. Doch noch während sie auf das Display starrte, desto verschwommener wurde es. Sie blinzelte, weil sie fürchtete, dass es vielleicht nur noch die Nachwirkungen vom Aufprall auf der Straße gewesen waren. Doch durch mehrmaliges Blinzeln wurde es nicht besser. Immer weiter verschwammen die Worte und Bilder vor ihren Augen, bis sie schließlich glaubte, dass das Gebäude selbst schwankte. »Lou …«, brachte Kono leise hervor und es klang für ihn, als käme es von sehr weit her. Kono wurde schwarz vor Augen. Grovers Aufprall auf dem Boden bekamen er gar nicht mehr mit.


* * *

Steve schnappte unvermittelt nach Luft. Urplötzlich überkam ihn das Gefühl, nicht mehr genug Sauerstoff in seine Lungen zu bekommen. Seine Beine wurden immer schwerer. Gerade hielt er sich hinter dem Stuhl des Verdächtigen auf und der Raum begann zu schwanken. Seine Beine zitterten. Krampfhaft hielt sich der Commander auf den Beinen. So leicht würde er nicht klein beigeben. Er hielt sich standhaft aufrecht. Das dröhnen in seinem Schädel wurde immer größer. Er versuchte noch nach der Stuhllehne zu greifen und stürzte seitlich zu Boden. Der Sauerstoffmangel machte sich bemerkbar. Seine Lider flatterten und er zitterte nur noch leicht am ganzen Körper. Die Tür zum Verhörraum summte und Stiefelschritte folgten in den Raum hinein. Seine gesamte Muskulatur erschlaffte und dann wurde es schwarz um Steve.
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BeitragThema: Re: Waiwai | 6x17   Mi Jun 01, 2016 11:04 pm

3 – Offenbarungen mit harten Worten

»Kono … Kono. Komm schon, Kleine! Mach die Augen auf … Kono!« Wie von fern drang die bekannte Stimme auf sie ein. Sie hatte keine Ahnung, wer da genau auf sie einredete und um welchen Wortlaut es sich handelte. Einen Moment glaubte sie tatsächlich im Bett zu liegen und Adam versuchte sie zu wecken, weil sie sonst zu spät zur Arbeit kam. Doch dann wurde ihr langsam bewusst, dass sie gar nicht mit Adam das Bett teilen konnte. Ihr Ehemann befand sich seit geraumer Zeit hinter Gittern des Gefängnisses in Halawa.
Sobald sie diese Erkenntnis traf, wurde ihr der weitere Wortlaut bewusst und wer da eigentlich auf sie einsprach. Es war niemand anderes, als Danny, der versuchte sie wieder wach zu bekommen. Wieso eigentlich wach? Was war passiert? Eine schwere bedeckte ihren Kopf, sodass es ihr schwerfiel zu denken. Nur langsam öffnete sie ihre Augen. Sie blickte über sich an die Decke des Büros, genauso wie in die besorgten, blauen Augen ihres Kollegen. »Schön hierbleiben, okay, Kleine? Du kippst mir nicht wieder um.«
»Was ist denn passiert?«, fragte sie mit leiser Stimme. Alles fühlte sich noch schwach in ihrem Körper an. Ihr Gehirn konnte sie nicht zur Mitarbeit motivieren. »Setz dich auf, okay?« Langsam half Danny ihr, sich aufzusetzen, da fiel ihr Blick auf ihren Cousin, der es schaffte den großen, braunen Bären wieder aufzusetzen. Offenbar war auch er Ohnmächtig geworden.
»Wir sind gerade wieder zurückgekommen, als wir im Eingangsbereich, alle anwesenden bewusstlos vorgefunden haben. Sofort ist uns aufgefallen, dass jemand den Sauerstoff im gesamten Gebäude verdrängt hat. Nachdem wir die Türen und Fenster geöffnet haben, sind sie dort unten allesamt wieder zu sich gekommen. Danach sind wir sofort hochgerannt. Die Sanitäter und Notärzte sind bereits vor Ort und kümmern sich um sie. Jemand sollte auch gleich herkommen.«
Die hastig ausgesprochenen Worte, musste die junge Hawaiianerin erst einmal erfassen und registrieren. Noch immer fühlte sie sich benommen. Sie konnte sich nur bruchstückhaft erinnern. Sie wusste von der explodierten Granate, wo sie bereits einmal für einen kurzen Moment das Bewusstsein verloren hatte, doch die Fahrt zurück ins Büro lag im Dunkeln. Nur schwach erinnerte sie sich, mit Steve gesprochen zu haben …
»Steve!«, brachte Lou keuchend hervor und versuchte sich in diesem Moment aufzusetzen, doch Chin drückte ihn entschlossen wieder zurück. »Ihr beide bleibt schön hier!« Mit seinen Worten kam auch bereits ein Sanitäter mit einem Notarzt hinauf ins Büro. Sie näherten sich den beiden Ermittlern. »Sie bekommen reinen Sauerstoff, damit sie wieder zu Kräften kommen.«
Suchend blickte sich Danny nach den Worten des Captains im Büro um. Er stand sogar auf und lief einige Schritte auf das Büro ihres Big Kahunas zu, doch es war leer. Er drehte sich sofort zu den beiden angeschlagenen Teammitgliedern zu. »Wo ist Steve?«
Grover setzte die Sauerstoffmaske ab und drehte den Kopf zum Detective herum. »Er wollte den Verdächtigen befragen.« Ehe jemand Danny daran hindern konnte, rannte er bereits aus dem Büro und näherte sich der Tür des Aufzuges. Damit fuhr er geradewegs hinunter in den Keller. Unten war die Luft noch leicht dünn, der Sauerstoff musste erst hier her gelangen, deswegen atmete er recht flach, bis er bei ihren Verhörräumen ankam und einen davon unverschlossen vorfand. Die Tür stand sperrangelweit offen. Ein Blick hinein in die Räumlichkeiten verdeutlichte Danny, dass nur noch die leeren, aufgeschlossenen Handschellen ihres Verdächtigen am Stuhl hingen. Sie baumelten sogar noch leicht in der Luft. Von ihm und dem Commander selbst fehlten jede Spur. Sofort zog sich Dannys Herz schmerzhaft zusammen. Jemand hatte den Commander entführt! War dies nun alles eine geplante Aktion gewesen oder beruhte es nur auf der Tatsache, dass die Task Force den Verdächtigen mitgenommen hatte? Konnte es sein, dass sich der Commander, trotz des Sauerstoffentzuges noch soweit gewehrt hatte und sich den Männern auf den Fersen befand?
Gefangen in diesem Zwiespalt, drehte er um, da er deutlich die Kopfschmerzen spürte. Bevor hier unten niemand Entwarnung gab, war der Keller vorerst für jeden Tabu. Somit fuhr er hinauf ins obere Stockwerk. Dort warteten die anderen der Task Force auf ihren Kollegen, wirkten jedoch beunruhigt, als er ohne den Commander wiederauftauchte. »Wo ist Steve?«
»Er ist weg, genauso wie unser Verdächtiger.«
Die Bestürzung aller Anwesenden war deutlich in ihre Gesichter geschrieben. Dass nur der Schwarzhaarige verschwunden wäre und Steve bewusstlos in der Zelle gelegen hätte, hätte ihnen allen noch eingeleuchtet, aber da sie den Commander ebenfalls mitgenommen hatten … Es war ein Puzzlestück, dass ihnen allen ein Rätsel war. Wieso hatten sie den Navy-SEAL entführt?
Um diesem Rätsel ein Ende zu setzten, trat Danny auf das Surftable zu und versuchte die letzten Ergebnisse der Task Force nachzuverfolgen, da sich Kono und Lou nicht beim besten Willen daran erinnern konnten, was sich seit ihrem Fortfahren beim Tatort ereignet hatte. Einzig allein das aufregende Aufwecken des Commanders war ihnen noch im Gedächtnis geblieben, ehe eine lange Schwärze ihr Gehirn beherrschte. So dauerte es einige Momente, bis Danny endlich die Ergebnisse von Interpol sichtete. Die Akten hatten sie hier selbst noch einmal im Büro geöffnet. »Wir haben die Identität des Toten und unseres Verdächtigen erhalten. Es handelt sich dabei um zwei Russen, die schon seit einer längeren Zeit hier in den Staaten wohnen. Dmitri Sidorow seit 1982 und hat eine Frau und zwei Kinder. Er wohnt in New York. Der andere ist Sasha Kusmin. Er ist zweiundzwanzig. Mit seinen Eltern kam er vor acht Jahren in die Staaten, hat im Gegensatz zu seinen Eltern jedoch die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten, besitzt jedoch noch beide Pässe. Alle beide stammen aus Russland.«
Alle anderen blickten den Detective eine Spur verwirrt und überrascht aus. Nur schwach klingelte bei Lou etwas. Es war nur ganz schwach, dass er es schon einmal gehört hatte, aber mehr lichtete sich der Nebel nicht. Um ihnen ein wenig mehr Klarheit zu verschaffen, startete Chin dagegen die Videoaufnahmen aus dem Verhörraum. Dort sahen sie zu, wie Steve versucht hatte, den Russen zu knacken und jedoch gescheitert kam. Selbst nach dem erhellenden Anruf aus dem Büro hatte nichts ergeben. Stattdessen sahen sie mit an, wie Steve zusammenbrach und die beiden getürmten Personen eintraten. Der eine legte Sasha eine Sauerstoffmaske an, die an eine kleine Sauerstoffflasche angeschlossen war. Der andere zog Steve die Schlüssel für die Handschellen aus der Hosentasche und befreite ihren Freund. Zuletzt packten sie den leblosen Commander an den Schultern und schleiften auch ihn aus dem Raum, wobei ihr Freund, aufgestützt auf einen der anderen, selbst laufen konnte. »Sie haben ihn also wirklich mitgenommen!«, sprach Kono entrüstet aus und schüttelte den Kopf. Sie wollte es eigentlich gar nicht wahrhaben. Sie hatten hier jeden im Gebäude ausgeknockt, nur damit sie ihren Einbrecher mitnehmen konnten, genauso wie McGarrett. Niemand hatte sie daran hindern können.
»Wenn wir doch viel eher hierhergefahren wären!«, jammerte Danny unerwartet los, erntete von den anderen jedoch nur einen finsteren Blick. »Woher hättet ihr es ahnen sollen? Außerdem war es doch ganz gut, dass ihr beide nicht mitgefahren seid, sonst lägen wir hier immer noch herum und keiner wüsste, dass wir dringend Hilfe bräuchten.«
Dennoch wirkte Danny von dieser Erkenntnis nicht gerade beglückt. So standen sie einen Moment schweigend beieinander und blickten hinab auf die beiden Akten von Interpol. Offenbar standen sie bereits im Fadenkreuz dieser Behörde. Während bei Sidorow vermutet wurde, dass er illegale Geschäfte tätigte, stand die Frage offen, ob Sasha bei diversen Minijobs für Sidorow tätig gewesen war. Doch der Einbruch in eine Bundesbehörde war nun wirklich kein Minijob. Er sah dem Toten auch recht ähnlich und wer ihn nicht näher kannte, so wie Costland, würde ihn auch für Dearing halten.
Aus diesem Grund wählte Grover die Nummer vom Agenten bei der NSA. Hoffentlich würde er ihnen bei der Klärung dieses Falles war. Wenn nötig appellierten sie dabei an seinen gesunden Menschenverstand, dass es hierbei um die Klärung des Mordfalles um seinen Freund ging. Bereits nach dem dritten Klingeln nahm Costland ab. »Ja, wer ist dran?«
»Hier ist Captain Grover, von der Task Force Five-0, wir bräuchten Ihre Hilfe, Agent Costland.«
»Um was geht es genau?«, harkte der Agent leicht misstrauisch nach. Grover konnte es verstehen. »Wir müssen wissen, ob der Verdächtige etwas gestohlen hat und wenn ja, was dieser Inhalt ist. Den Komplizen ist es nicht nur gelungen ihren Freund aus unseren Klauen zu befreien, sondern auch unseren Boss, Commander McGarrett, zu verschleppen. Wir haben keinen blassen Schimmer, wieso. Wir brauchen Ihre Hilfe, Agent Costland.«
Es dauerte einen kurzen Moment in denen der NSA-Agent darüber nachdachte, schließlich gab er der Task-Force eine Antwort darauf. »Ich werde versuchen, was ich kann. Versprechen kann ich jedoch nichts.«
»Vielen Dank«, damit legte Grover wieder auf. Er schüttelte nur den Kopf und gab wieder, was bei diesem kurzen Gespräch rausgekommen war. »Und nun?«, wollte Kono von den Umstehenden wissen.
»Am Tatort haben wir jede Menge Munition dieser Kerle gefunden. Selbst wenn sie sich mit der Granate nicht die Freiheit freigeschossen hätten, hätten sie uns noch eine ganze Weile in Schach halten können, ehe ihnen die Munition ausgegangen wäre. Offenbar hatten sie sich wohl dazu entschieden, die Munition lieber nicht zu verbrauchen, sondern stattdessen abzuhauen. Vielleicht haben sie auch nur Sasha springen lassen, damit sie rausfinden, wie viel wir bereits über diesen Fall wissen.«
»Und wer weiß, ob sie hier nicht noch aufgetaucht sind, um die Daten vom Smarttable zu ziehen«, warf Grover ein und deutete mit dem Daumen auf ihren Zentralcomputer. Um das zu prüfen, drehte sich Kono um und überprüfte die Überwachungsbänder hier oben im Stockwerk, doch bis auf ihren Zusammenbruch, fanden sie nichts Weiteres. Keiner der anderen Unbekannten waren hier oben gewesen. Sie waren einfach nur eingestiegen, um Sasha zu befreien und Steve mitzunehmen. Sie hatten nun auch einen von ihnen, den sie ausgiebig befragen konnten. Es konnte durchaus sein, dass sie die Gunst beim Schopfe gepackt hatte. Es blieb auf jeden Fall ein Rätsel, wieso sie den Commander mitgenommen hatten.


* * *

Mit einem Stick in der Jackentasche, bei dem Craig jeden Moment fürchtete, dass er ihm ein Loch hineinbrannte oder er ein Schild über dem Kopf mit sich führte, dass er es gewesen war, verließ er die NSA-Außenstelle auf Hawaii. Nach einem längeren hin und her hatte er sich schließlich doch dafür entschlossen, der Task Force zu helfen und sich im System auf die Spuren seines Freundes zu machen, wobei er heute Morgen bereits tot gewesen war und somit den Spuren dieses Fremden nachgegangen war. Es ärgerte ihn nicht, dass er nicht schon heute Morgen etwas zu dem Mann gesagt hatte. Er hatte nur Axe gekannt, der diesen Steinanstecker im Ohr getragen hatte. Wieso war es ihm nicht schon heute Morgen aufgefallen, dass etwas nicht stimmte? Dieses Gefühl würde er noch bis zum Ende seiner Lebtage mit sich herumtragen. Er hätte den Mord an seinen Freund nicht verhindern können, aber dafür den Diebstahl dieser hoch sensiblen Daten.
Craig hoffte nun, dass sie der Task Force wenigstens halfen, ihren Teamleiter wiederzufinden, den diese Ganoven verschleppt hatten.
Nach einer sehr nervösen Fahrt, in der Craig mehr als ein paar Mal in den Rückspiegel geschaut hatte, um zu sehen, ob ihm jemand von der Agency folgte, erreichte er schließlich das alte Kolonialgebäude auf der Insel. Hier hatte die Task Force ihr Büro. Ein ziemlich gemütlicher und toller Ort zum Arbeiten. Mit dem Blick hinaus auf König Kamehameha.
Craig verließ seinen älteren Wagen und schritt auf den Eingang des Gebäudes zu. Hier innen wirkte es nicht mehr so, als hätte jemand bis vor kurzem einen Anschlag verübt. Aus diesem Grund lief Craig auch recht Ahnungslos ins Gebäude hinein und wurde prompt einer genauen Kontrolle unterzogen. »Ich war bereits heute Morgen hier!«, protestierte er einen Moment, doch der Wachmann ließ es nicht durchgehen. Er tastete ihn ab, wollte einen Schein für die Waffe an seinem Gürtel haben und fragte nach einem Ausweis. Nachdem er ihn von der NSA hatte und offenbar noch mit Dateien abglich, nickte er schließlich und reichte ihm den Besucherausweis. »Ist von der Task Force genehmigt, Sie dürfen hochgehen.« Etwas verwirrt, was das sollte, nickte er dem Mann jedoch nur zu und wandte sich dann der uralten Marmortreppe zu und schritt hinauf zum Büro.
Offenbar setzten sie nach der Entführung von Commander McGarrett auf noch höhere Sicherheit, als ein paar Stunden zuvor. Endlich erreichte er das obere Stockwerk und schritt über den Flur auf die Doppelglastür zu und betrat schließlich die vier Wände. Innen wirkte alles viel ruhiger und gemütlicher. Dem Architekten dieses Büros gebührte ein großer Dank. Es wäre ein Himmel, wenn das Büro der NSA ebenfalls in so einem hellen Tageslicht erstrahlen würde. Er schritt über das schwarzweiße Siegel des Teams und näherte sich der kleinen Gruppe am Surftable. Diese erwarteten ihn bereits voller Sehnsucht. »Wir wussten nicht, ob Sie kommen«, sprach ihn ein blonder Mann aus, dessen Haare mithilfe einer Menge Gel nach hinten gestylte war.
»Ich habe auch lange mit mir gerungen. Für dieses Verbrechen könnte die Agency mich und Five-0 nach Leavenworth stecken.« Damit hielt der Agent den Stick in die Höhe, auf die er diejenigen Daten gezogen hatte, welche laut des Zeitstempels vom Ganoven entwendet wurden. Kono griff sich das Stück Plastik mit der Platine und steckte ihn ins Surftable ein. Die Task Force war mit solchen geheimen Daten vertraut. Hätte Agent Costland ihnen diese nicht besorgt, hätten sie schließlich Jerry gefragt, ob er Kontakte zur NSA hatte oder als aller letzten Ausweg Toast mit einer Tüte voller Lutscher und einem breiten Grinsen besucht. Doch beide dieser Wege mussten sie nicht gehen und es sparte eine Menge Zeit. Nun konnten sie endlich einsehen, wieso diese vier Personen so einen großen Zirkus um so einen kleinen Flashdrive geschoben hatten.
Der Computer hatte mittlerweile den USB-Stick erkannte und er lud die Datei. Kono klickte den Ordner an und öffnete eine mit Zahlen benannte Datei. Alle warteten gespannt darauf, was der Agent der NSA ihnen hier mitgebracht hatte.
Als der Name zu Oberst der Akte angezeigt wurde, erbleibten drei der Anwesenden. Danny, Chin und Kono verloren alle drei die Farbe im Gesicht. »Oh mein Gott …«, brachte die Surferin zu Stande und schlug sich mit der Hand vor dem Mund. Danny war Sprachlos und Chin stützte sich auf den Surftable ab. Sowohl Grover, als auch Costland wirkten ein wenig verwirrt. »Sie kennen diese Akte?«, kam es aus diesem Grund misstrauisch aus dem Mund des Agenten. Für so etwas hatte er sich also die Mühe gemacht und war mit beiden Beinen ins Bundesgefängnis getreten?
Danny schüttelte den Kopf und gab ihm die Antwort, nachdem er als erstes die Sprache widergefunden hatte. »Nicht wirklich. Wir wussten nur vom Namen der Operation und dass Steve daran beteiligt gewesen ist. Ehe einer von uns die Akte lesen konnte, hat er sie uns bereits vor der Nase zugeschlagen und in die Hände des Militärs zurückgegeben. Es hat vor einigen Jahren einen Hackerangriff auf den Navy-Stützpunkt hier auf Hawaii gegeben. Dabei wurden mehrere SEALs tot aufgefunden. Im Versteck des Auftragsmörders konnten wir einer Menge solcher geheimen und streng vertraulichen Akten sicherstellen. Unter anderem die Akte um Operation ›Strawberry Field‹.«


* * *

Das Tropfen von stetig fallendem Wasser weckte Steve aus einer traumlosen Dunkelheit. Er versuchte das Geräusch zu zuordnen. Natürlich wusste er, woher es rührte, aber er konnte sich keinen Reim darauf machen, wieso er es jetzt in den Ohren hatte. Nur in Bruchstücken und als sehr kurze Filmausschnitte, kehrte sein Gedächtnis zurück. Er erhaschte nur kleinere Bilder, die ihm einen ungefähren Ablauf erzählten.
Es hatte einen neuen Fall gegeben. Irgendwie war da auch das Bild von Catherine. War sie etwa wieder zurück? Dann meinte er das knallen von Schüssen zu hören, die sich im Vielfachecho regelrecht überlagerten. Das Detonieren einer Granate und das Gefühl zu fallen … Danach kam nichts mehr. Dunkelheit. Ungewissheit. Keine Erinnerung, ob noch etwas dahintergekommen war.
Steve versuchte langsam seine Augen zu öffnen, um zu klären, wo er war. Lag er dort noch immer auf der Straße? Doch warum tropfte es dann regelmäßig von irgendwo herunter? Seine nächste Überlegung war das Krankenhaus, doch auch dort machte das Wasser keinen Sinn, außer er hatte in einer Muschel unter Wasser eingecheckt. Seine Gedanken spielten in diesem Moment regelrecht verrückt.
Zaghaft öffnete Steve seine Augen, wurde jedoch von einem hellen Licht geblendet, das sich über ihm an der Decke befand. Geblendet schloss er die Augen. Gefühlt einige Minuten später startete er erneut einen Versuch. Diesmal war er auf das Licht besser vorbereitet und gewöhnte sich besser an die Helligkeit. Es handelte sich dabei um eine nackte Glühbirne, die an ihrem Kabel von der Decke hing. Steve selbst lag ausgestreckt auf dem Boden. Sein Hemd bedeckte den eiskalten Boden, genauso wie seine Arme und die Beine, welche in seinen beigen Cargopands steckten. Es dauerte noch eine gewisse Zeit, bis er sich so weit unter Kontrolle hatte, dass er es wagte, aufzustehen. Einen Moment lang, blickte er sich suchend im Raum um. Es war kalt, der Raum bestand aus Beton. Nur eine schwere Eisentür befand sich hier als Ausgang. Kein Fenster zeigte ihm, ob er sich unter Tage befand oder nicht oder welche Tageszeit es war. Ihm waren sein Handy und die Pistole abgenommen worden, nur seine Uhr war ihm geblieben. Diese zeigte an, dass es mittlerweile auf den Abend zuging. Also lag der gesamte Tag im Schleier der Dunkelheit. Nur dumpf erinnerte er sich daran, dass er heute Morgen mit dem Team am Strand gewesen war, um einen neuen Fall zu bearbeiten.
Was also machte er hier in diesem Raum? Wieso erwachte er hier alleine und mit einem Kater, der schlimmer nicht sein konnte? Unruhig tigerte Steve den Raum auf und ab. Er fühlte sich schrecklich an den Tag erinnert, als Wo Fat ihn das aller letzte Mal entführt hatte. An diesem Tag hatte er seinen Erzfeind das letzte Mal in die Augen geblickt und auf den Abzug gedrückt, ehe er erneut von den Drogen in Besitzt genommen worden war.
Spielte hier jemand ein verrücktes Spiel mit ihm und versuchte ihn damit zu Verzweiflung zu treiben? Doch damit hatte sich derjenige geschnitten. Er würde sich davon nicht beeindrucken lassen. Um sich ein wenig Ablenkung zu verschaffen und auch etwas Nützliches zu tun, trat er geradewegs auf die Stahltür zu und untersuchte. Er versuchte eine Schwachstelle zu finden. Bei genauerem Betrachten fiel ihm auf, dass sie bereits schon einige Jahre auf dem Buckel haben musste. Wenn ihn nicht alles täuschte und der Moder und das Tropfende Wasser dazu gehörten, befand er sich in einer der alten, verlassenen Bunkeranlagen aus dem zweiten Weltkrieg. Diese standen schon seit Ewigkeiten leer und niemand scherte sich darum, wer sich am Eingang herumtrieb. Meistens schliefen hier die Obdachlosen, doch weiter, als ein paar Räume hatte sich nie jemanden der Zivilisten gewagt. Also hatte jemand eindeutig Kenntnis von der Insel und hatte einen Ort gesucht, wo er den Commander festhalten konnte, ohne dass ihn gleich jemand fand. Denn Steve war sich sicher, dass er hier festgehalten wurde. Er konnte die Klinke an der Tür nicht zu sich ziehen. Herunterdrücken ging, aber mehr nicht. Also hatte jemand die Tür abgeschlossen. Leicht starrte Steve in den Raum hinein. Schmal, oberhalb der Tür und viel zu weit oben, befand sich ein Gitter, das hier hoffentlich Frischluft hineinbeförderte.
Etwas blitzte bei diesem Gedanken in seine, Gehirn auf. Er sah einen Moment den Verhörraum vor sich, der sich vor ihm drehte. War er etwa dort zusammengebrochen? Den Sinn verstand er dahinter noch nicht, doch er war gewillt, dieses Rätsel endlich zu lösen. Deswegen schritt Steve den Raum systematisch ab. Der Raum war sage und schreibe zwei Meter tief und vier Met breit. Nur diese nackte Glühbirne erhellte die Umgebung. An der Wand glaubte er die Staubabdrücke von Regalen zu sehen. Also hatten hier, bis vor kurzem, noch Akten gestanden, die jemand entfernt hatte. Eine kleine Kammer voller Dokumente, die jemand gut und gerne jetzt als Gefängnis nutzte. Steve strich über den rauen Beton. Er war feucht und kühl. In einer der hinteren Ecken tropfte immer wieder das Wasser von der Decke und machte ihn halb verrückt. Ihm fehlten die normalen Umgebungsgeräusche von Hawaii. Hier innen waren sie vollkommen erstorben. Nicht einmal das Stromkabel der Lampe machte ein Geräusch. Es gab nur das ständige und langsame hinabfallen der Wassertropfen. Irgendwann würde ihn dieses Geräusch noch nervös machen. Oder gar Wahnsinnig. Doch bis dahin war es noch ein langer Weg.
Er fragte sich ernsthaft, wieso er hier gelandet war und was mit dem Rest seines Teams passiert war. Befand sie sich ebenfalls hier oder war nur er verschleppt worden? Die Frage blieb unbeantwortet im engen Raum stehen.
Bis jetzt hatte er die Enge nicht wahrgenommen, da der Raum fast drei Meter hoch war. Unerreichbar war der kleine, vielleicht zwanzig Zentimeter lange und breite Schacht für die Frischluft. Doch durch eine kurze Rechnung war ihm klar, dass der Sauerstoff, der dort hindurchströmte ausreichend war. Er würde hier innen nicht ersticken. Wenigstens eine Beruhigung, doch er konnte dennoch darauf verzichten.
Immer wieder lief der Commander auf und ab, dachte über seine Lage nach und versuchte in seinem durchlöcherten Gehirn eine plausible Antwort zu bekommen, wieso er hier in dieser Lage gelandet war. Bestimmt war die Antwort leichter, als er glaubte. Doch sein Kopf hatte dem etwas entgegen gesetzt zu haben. Er wollte nicht, dass er die Identität der Person wusste, welche ihn hier her befördert hatte. Grimmig starrte er auf die graue Wand vor sich.
Es würde nichts bringen weiter darüber nachzudenken. Er musste sich damit abfinden. Früher oder später würde sich die Person bei ihm melden. Soviel war sicher. Niemand sperrte ihn hier ein, um ihn schließlich sterben zu lassen. Sonst wäre er in einen Raum ohne Frischluftzufuhr gesperrt worden.
Fast, als hätten der Mann seine Gedanken gelesen, öffnete sich die Stahltür hinter ihm. Sofort fuhr Steve herum und blickte in das Gesicht der Person, die ihn hierhergeschleppt hatte. Analytisch genau fuhr er jeden Zentimeter der Haut ab und blieb neben dem grauen Haar an den hellen Augen hängen. Diese würde er überall wiedererkennen, genauso wie die gebrochen Hakennase. »Minkow«, brachte er nur monoton aus. In diesem Moment glaubte er, dass eine Welt über ihn zusammenbrach. Was machte dieser Russe hier, auf Hawaii?! Er sollte für immer in einem Gefängnis stecken und niemanden mehr behelligen. Und trotzdem stand er ihm hier gegenüber und hatte die Arme verschränkt. Ein weiterer Russe betrat die Zelle und wirkte nicht so, dass mit ihm gut Kirschenessen war.
Steve warf ihm nur einen flüchtigen Blick zu. Sein Augenmerk lag mehr auf Minkow, der sich kaum bewegte und auch etwas kleiner als der Commander war, und dennoch eine Autorität ausstrahlte, dass es Steve leicht kalt den Rücken herunterfloss. So standen sie sich Gegenüber, bis Steve den Augenkontakt abbrach. Ein zufriedenes Lächeln huschte über Minkows Lippen. Mit einem leichten Nicken deutete er seinem Begleiter an, einzutreten. Er schritt direkt auf den Navy-SEAL zu. Dieser verlor den Mann keinen Augenblick aus den Augen.
»Wenn ich Sie wäre, Commander, würde ich mir zweimal überlegen, was Sie machen. Das hat bereits das letzte Mal so wunderbar funktioniert«, erinnerte ihn Minkow an den beinahe gescheiterten Einsatz, den er vor viel zu langer Zeit ausführen musste. Für einen kurzen Moment lebten die dunklen Erinnerungen wieder auf. Der Schmerz durchzuckte seinen Rücken und konnte nicht verhindern kurz selbst zusammenzuzucken. Es war ein verdammter Hinterhalt gewesen und nur dank der Hilfe der NSA-Agenten und seiner SEAL-Kameraden hatten sie ihn aus dem Wespennest befreien können und Minkow endlich festnehmen. Wenn er sich recht erinnerte, waren damals auch Army-Soldaten mit an der Operation beteiligt gewesen, doch alles weitere zu diesem Auftrag lag im Dunkeln. Das einzige, was ihm brennend im Kopf geblieben war, waren diese schmerzvollen Tage. Bis gerade eben hatte er sie erfolgreich aussperren können, doch nun waren sie zurück. Ehe sich Steve versehen konnte, traf ihn bereits eine Nadel im Nacken. Eine Flüssigkeit wurde ihm injiziert, sodass er beinahe mit dem Arm nach dem Mann geschlagen hätte. Das Mittel brannte wie Feuer in seinem Kreuz und er versuchte an die Einstichstelle zu kommen. »Was wird das Minkow?!«
»Es gibt offene Rechnungen zu zahlen. Erstens will ich mir den Spaß nicht verderben, den deine Landsleute so abrupt beendet haben und als zweites haben sie nur durch dich mich schließlich schnappen können. Das wird diesmal nicht geschehen.«
Steve wurde in diesem Moment, trotz des Mittels, heiß und kalt. Er glaubte, der Raum drehte sich um ihn. Wütend stürzte er sich auf den Russen, bekam von diesem jedoch einen harten Schlag seitlich gegen den Kopf und krachte, aus dem Gleichgewicht gebracht, gegen den harten Beton und landete schließlich auf dem Boden. Bevor er sich versehen konnte, verließen sie seinen Raum und die Metalltür fiel ins Schloss. Der Schlüssel wurde gedreht. Wieder befand sich Steve eingeschlossen in diesem kleinen, miefenden Raum.
Keuchend blieb der Commander am Boden liegen und starrte gegen die hohe Decke. Er versuchte sich ganz auf seine Atmung zu konzentrieren, damit er seinen Puls wieder unter Kontrolle hatte. Er wollte nicht wissen, was genau ihm Minkow ihm da verabreicht hatte. Es würde sich auf lang oder kurz zeigen. Bis dahin musste er sich sammeln und hoffen, dass er die Bilder, die sich mit voller Wucht in diesem Moment auf ihn drängten, von seinem Geist fernzuhalten. Doch bei jedem Versuch, den diese grauenhaften Erinnerungen tätigten, desto mehr bröckelte sein Widerstand.
Steve keuchte erschrocken auf. Die Hitze in seinem Kreuz wurde immer schlimmer. Er stöhnte auf und keuchte. Sein Puls wurde schneller. Ehe er sich versehen konnte, stürzte er bereits über die Kannte und wurde von diesen dunklen Erinnerungen aufgefressen wie ein Lamm inmitten einer hungrigen Wolfsbande.


* * *

Im Hauptquartier der Task Force wurde es still. Ein jeder vernahm die Worte, welche Danny gerade erzählt hatte. Agent Costland wurde nun klar, wieso drei der Mitglieder kreidebleich geworden waren. Sie beugten sich über die Akte. Diese nun endlich vor ihrer Nase zu haben, ohne dass ein wütender Steve sie ihnen vor der Nase zuschlug, begannen sie den Einsatzbericht zu lesen.
Es handelte sich dabei um einen Bericht aus Osteuropa, vor vierzehn Jahren. Es musste ganz zu Anfang von Steves Soldatenkarriere gewesen sein. Mit jedem Wort das die Task Force las, desto stiller wurde in den Räumen. Jeder konzentrierte sich auf die Operation. Doch umso deutlicher wurde das Unbehagen in ihren Magengruben.
Langsam wurden Chin, Kono und Danny klar, wieso Steve nicht gewollt hatte, dass sie die Akte lasen. Weniger aus dem Grund, dass es sich dabei um eine geheime Operation handelte, sondern mehr wegen des Inhaltes an sich. Was Steve damals hatte durchleben musste. Joe White hatte mit Sicherheit von ihrem Inhalt gewusst, so wissend wie er Steve angeschaut hatte, dessen Blick nicht betroffener hätte sein können. Schnell war die Akte zugeklappt gewesen und nie wiederaufgetaucht. Wer wusste, wohin der damals noch SEAL-Ausbilder diese gebracht hatte.
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BeitragThema: Re: Waiwai | 6x17   Mi Jun 01, 2016 11:06 pm

4 – Von Mienen, Unkraut und jeder Menge Erdbeeren

-März 2002-

Leise pirschten sich Freddy und Steve, Seite an Seite, den Hügel hinauf und achteten darauf, dass sie von niemandem gehört wurden. Sie waren so unsichtbar, wie es nur ging. Dafür hatten sie jede Menge Training über sich ergehen lassen, um von keinem Wachposten erwischt zu werden. Doch das hier war blanker Ernst und wenn sie hier jemand erwischte, würden sie hinterher nicht lachend in der Kantine sitzen und sich über die Fehler der anderen Lustig machen. Nein, hier bedeute ein Fehler den Tod. Und genau dieses Wissen machte die Arbeit eines Navy-SEALs nur umso präzisiert. Er schaute dem Tod grinsend ins Gesicht, zeigte ihm den Mittelfinger und meinte nur noch dazu ›Heute nicht, Freund!‹.
So schlich sich Steve gemeinsam mit seinem guten Freund und Kameraden den Hang hinauf, um endlich einen Blick mit den Ferngläsern über den Rand zu wagen. Damit sie endlich sehen konnte, auf was für ein beschissenes Ziel sie angesetzt worden waren. Wochenlang hatten sie mit ihren SEAL-Kameraden und zwei Soldaten von der Army zusammen trainiert, bis schließlich Agenten der NSA dazu gestoßen waren und sie endlich den Einsatz soweit durchgesprochen hatten, dass jeder wusste, was zu tun war. Danach waren sie ausgeflogen worden und etliche Klicks von hier entfernt auf Mutter Erde abgesetzt worden. Von dort aus waren sie die letzten beiden Tage gewandert. Im Schutz der Bäume und hatten versucht nicht aufzufallen. Niemand sollte von den Streitkräften der USA Wind bekommen. Diese Operation unterlag einer hohen Sicherheitseinstufung und kein anderer sollte wissen, dass es in diesem Teil der Welt überhaupt einen Amerikaner gab, der hier nicht zu suchen hatte.
Steve war es egal, auf welchem Flecken der Erde er eingesetzt wurde, Hauptsache er saß nicht Däumchen drehend in der Ecke herum und wurde fürs Nichtstun bezahlt. Keinen Einsatz zu haben und einfach nur auf Abruf auf dem Stützpunkt zu verweilen, war nichts für einen Navy-SEAL. Schließlich war ein SEAL nicht umsonst durch die Höllenwoche und darüber hinaus gewandert, nur um dann nutzlos in der Ecke zu sitzen. So waren er und Freddy umso begeistertet gewesen, als es hieß, dass sie beiden an einer Operation teilnehmen würden. Hinter ihnen vernahm Steves das leise dahinschleichen ihrer beiden anderer SEAL-Kameraden, Sam und Billy. Auch diese beiden kannte Steves von ihrer Ausbildung her. Es schien ein Wink des Schicksals gewesen zu sein, dass Joe White ausgerechnet diese vier in ein Team steckte. Schließlich kannte er sie alle gleich gut und wusste, dass sie neben ihrer Kameradschaft als SEAL auch allesamt dickste und beste Freunde waren.
Unten am Hang verweilten die NSA-Analysten, gemeinsam mit den beiden Soldaten der US-Army. Sie sollten ein kleines Augenmerk darauf halten, dass sie die Agenten nicht verloren.
Endlich erreichten Steve und Freddy die Kuppe des Hügels und warfen einen Blick durch ihre Ferngläser zwischen den Bäumen hindurch und sichteten am Ende genau das Lager, was sie suchten. Freddy gab das Zeichen nach unten weiter, dass sie sich am rechten Fleck befanden. Nun mussten sie sich nur noch ungesehen dem Lager nähern.
Ihre Aufgabe bestand darin, dass sie leise eindrangen, ihre Zielperson mitnahmen und die Agenten derweilen die sensiblen Daten von den Festplatten im Lager kopierten. Auf keinen Fall sollten sie auffallen oder gar eine Schießerei anfangen. Es sollte niemand zu Schaden kommen.
So leise und langsam, wie sie den Hügel erklommen hatten, bewegte sich das vierköpfige Team rückwärts hinab. Es dauerte weit mehr als eine Viertelstunde, bis sie den Fuß des Berges erreichten. Die Analysten wirkten ein kleines bisschen genervt, dass es so lange gedauert hatte. Sie hatten sich in den Schatten der Bäume zurückgezogen und die Army-Soldaten hatte getarnt die Umgebung ausgekundschaftet, ob sich ihnen jemand näherte. Nun packten sie ihre Ausrüstung zusammen und brachen auf. »Es geht zwei Klicks Nördlich und dann sieben Klicks Östlich. Dann sollten wir auf Höhe des Lagers sein. Dort richten wir unsere Basis ein und gehen nochmals durch, wie wir vorgehen sollten. Was die Leute dort in ihren Anzügen zusammenschmieden ist meistens nicht das, was wir auch anwenden können«, sprach Paddington aus, einer der Army-Soldaten. Auch die SEALs waren mit diesem Vorschlag einverstanden und nickten mit dem Kopf.


* * *

Vollkommen ruhig lag das Lager vor ihnen. Zwischen drei hölzernen Jagdhütten waren mehrere Zelte aufgebaut worden und einige Jeeps standen umher, genauso wie Transportkisten von ein auf zwei Meter. Darin konnte alles Mögliche gelagert werden. Von Nahrungsmitteln über Kleidung bis hin zu Waffen. In den zarten Morgenstunden waren nur die Vögel in den Bäumen zu hören. Über zwei der Hütten stieg der Rauch auf. Nur eine Handvoll Wachposten liefen gemütlich umher und hielten ihre russischen Sturmgewehre locker in den Händen.
Zu acht saßen die Amerikaner im Gebüsch und sondierten die Lage. Paddington, der die Leitung über diesen Auftrag hatte, nickte den SEALs zu. »Wir teilen uns in vier Zweierteams auf. McGarrett und Hanna, Harington und Hart, Agent Molina kommt mit mir und Agent Taylor geht mit Rooney. Die SEALs schalten die Wachposten aus und wir nähern uns den Hütten. Laut unseres Informanten hat Minkow dort sein Quartier aufgeschlagen. Sobald wir drinnen sind, haltet ihr die Stellung, wir nehmen Minkow fest und die Analysten sichern die Daten. Und dann schleunigst wieder raus, ehe jemand unsere Anwesenheit bemerkt.«
Damit waren ihre Aufgaben streng und klar aufgeteilt. Sie späten noch einige Minuten weiter das Lager aus, um abzuschätzen, welche Runden die Wachen drehten, dann huschten sie wie die Eichhörnchen aus dem Gebüsch. Leise und unauffällig schlichen sie über den Waldboden und suchten immer wieder hinter Bäumen Schutz, bis es nur noch Baumstümpfe gab, um dem Lager einen ausreichenden Platz zu bieten. Sam und Steve krochen hinter ein der Autos und beobachteten zwei der Posten, die um die Hütten herumliefen. »Ich nehme den bei Minkows Hütte, du den anderen«, entschied der Dunkelhäutige. Steve nickte darauf nur, dann pirschten sie sich an ihre Opfer heran, um sie unschädlich zu machen.
Leise schlich Steve um die Ecke, sondierte die Lage und war hellwach. Nichts würde seinem Blick entgehen. Von seitlich hinten vernahm er das leise zusammensacken einer der Wachen, den Sam erledigt hatte. Ehe die Russen überhaupt merkten, dass Eindringlingen in ihrem Lager waren, befanden sich die Amerikaner längst wieder draußen, mitsamt ihrer kostbaren Ware.
Steve presste sich gegen das Holz der Hütte. Zählte leise die Sekunden und wartete darauf, dass die patrouillierende Wache auftauchte, damit Steve sie ausschalten konnte. Die Schritte wurden bedächtig lauter. Sie wirkten nicht so Katzenhaft, wie die der SEALs. Schnell bog er um die Ecken, packte die Wache am Kragen und legte ihr eine Hand auf dem Mund. Mit dem Arm presste er ihr die Luft ab. Dennoch war diese Wache um einiges gefasster und holte mit ihrem Gewehrkolben aus. Sie traf geradewegs Steves Knie. Es knickte ihm ein. Er krachte Seitlich in den Staub und wollte sich bereits wieder erheben, um die Wache fertig zu machen, als er einen weiteren Schlag kassierte. Diesmal von einer weiteren Person. Sie rammte ihm voller Wucht den Gewehrkolben unterhalb der Schutzweste in den Rücken, dort wo er ungeschützt war. Der Schmerz war so intensiv, dass er weder Atmen, noch vor Schmerzen etwas sagen konnte. Er war regelrecht erstarrte. Die Arme wurden ihm in diesem günstigen Moment auf den Rücken gezogen und zusammengebunden, dann rissen sie ihn nach oben. Kurz schweifte Steves Blick über das Lager. Von Sam fehlte jede Spur.
Sie zerrten Steve mit sich, dem bei jedem Schritt ein seidenheißer Schmerz vom Knie hinauf ins Gehirn schoss. Er wollte nicht wissen, wie es unter seiner Cargohose aussah. Auch der dumpfe Schmerz in seinem Rücken wollte nicht loslassen. Es wirkte, als hätte ihn der Russe geradewegs an einem Schalter außer Betrieb gesetzt. Sie zerrten ihn zu einem Laster und warfen ihn ins Innere. Er wimmerte nur leise auf.


* * *

Sie warfen ihn achtlos auf den dreckigen Boden. Noch immer waren Steves Hände hinter den Rücken gefesselt und er hatte schmerzen. Vom Knie und von seinem dumpfen Pochen im Rücken. Er hoffte, dass er nicht gravierend schlimm verletzt war. Seit sie ihn hierhergefahren hatten, fragte sich der SEAL die gesamte Zeit, was genau schiefgelaufen war. Durch was hatten sie ihn so schnell fertigmachen können? Erschöpft lag er im Staub und grübelte darüber nach. Er lag auf der Seite da. Nur kurz wagte er es auf sein Knie hinunter zu schielen. Doch von Blut war nichts auf der Hose zu erkennen. Dennoch war es unmöglich das Knie zu bewegen. Wenn er sich nicht irrte, war es sogar geschwollen. Doch das konnte auch eine optische Täuschung sein. Langsam machte er sich an die Arbeit, den Knoten zu lösen. Versuchte es zumindest. Doch derjenige, der ihn mit den einfachen Stricken gefesselt hatte, hatte recht gute Arbeit geleistet. Das wäre ein ewiglanges Geduldsspiel für einen Navy-SEAL gewesen, sich daraus zu befreien, wenn nicht gar ein unmögliches. Doch unversucht konnte er es nicht lassen, auch wenn er fürchten musste, dass die Männer zurückkehrten.
So dauerte es nicht lange, bis die Tür geöffnet wurde und seine Gedanken sich bewahrheiteten. Da Steve mit dem Rücken zur Tür lag, konnte er nicht sehen, wer hereinkam. Schritte erklangen, mehrere. Vielleicht drei Personen. Kräftige Arme packten ihn im nächsten Moment unter den Achseln an und rissen ihn in die Höhe. Schwankend stand er auf einem Bein da. Entlastete sein Verletztes, da er mit Sicherheit umgeknickt wäre. Eine Hand griff ihm in die Haare und riss seinen Kopf nach hinten. Ein weiteres Paar Füße bewegte sich über den Boden und erschien in Steves Gesichtsfeld. Er starrte geradewegs Minkow in die Augen, den sein Team einpacken und mitnehmen sollte. Doch aus irgendwelchen Gründen war alles schiefgelaufen. Hatte der Russe etwa Wind davon bekommen, dass die Amerikaner hinter ihm her waren und ihn unter allen Umständen festnehmen wollten? Mit unbewegter Miene starrte er den Mann an. Auch Minkow zeigte keine Emotionen.
»Sorg dafür, dass er nicht einschläft«, sprach der Mann zu seinem Handlanger aus. Das Nicken konnte Steve nicht sehen. Stattdessen ließ ihn der Kerl los, schwankend stand er einen Moment da, bis er schließlich zusammenbrach. Schlafentzug … nun wusste er wenigstens, was ihn erwarten würde. Doch wusste Minkow überhaupt, dass ihm ein Navy-SEAL zwischen die Hände geraten war? So leicht würde es ihm nicht fallen, ihn zu brechen. Es erschien ihn so, als wollte erneut jemand ihn auf Herz und Nieren prüfen. Er sollte noch einmal die Höllenwoche durchmachen. Schön, das konnte Minkow haben. Er würde sich jedoch die Zähne an ihm ausbeißen. Diesmal würde er nicht alles freiwillig tun. In dieser Woche hatte er es mehr oder weniger freiwillig tun müssen. Es war sein Job gewesen und hatte es überstanden. Gemeinsam mit Freddy an seiner Seite. Sie hatten schon immer, seit sie sich kennen gelernt hatten auf der Navy-Academy, alles gemeinsam gemacht. Zwischen ihnen bestand ein ziemlich inniges Verhältnis. Sie war tiefer, als es zwischen Brüdern sein konnte. Es erschien Steve, als hätte er in ihm den einen Menschen gefunden, mit dem er alles Teilen konnte. Sie verstanden aneinander und wussten auch ohne Worte, was der andere wollte.
Niemals konnte sich Steve vorstellen, dass er ohne diesen Freund an seiner Seite leben konnte.


* * *

Leicht war Steve abgedriftet. In dem Raum, in dem er sich aufhielt gab es kaum etwas zur Ablenkung oder der geistigen und körperlichen Beschäftigung. Er spürte die Müdigkeit in seinen Knochen. Sein Körper verlangte nach schlaf. Er wollte so gerne die Augen schließen und sich diesem Gefühl hingeben. Nur leicht sanken seine Augenlider tiefer. Er wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, bis ihn jemand am Arm packte und ihn auf die Beine zerrte. Ein Knie traf ihn an seiner Verletzung. Augenblicklich schoss ihm der Schmerz erneut ins Gehirn hinauf. Ein dumpfes Pochen blieb zurück. Er hatte die Augen aufgerissen. Noch immer hielt ihn der Mann fest und riss seinen Kopf nach hinten. »Schön wach bleiben, Soldat!«, knurrte er ihm ins Ohr. Dann warf er ihn geradewegs vorwärts auf den Boden. Steve wappnete sich auf den Aufprall. Dank seiner Arme, die hinter den Rücken gefesselt waren, konnte er sich auch nicht abfangen. Er drehte sich leicht und prallte seitlich, mit seiner unverletzten Seite auf die Schulter und rollte sich ab. Er kam auf dem Rücken zum Liegen. Er atmete etwas schneller und war wieder hellwach. Die Müdigkeit war fürs erste verflogen. Genau musterte er seinen Foltermeister, der ihn auf jeden Fall wachhalten sollte. Steve nahm es sich zur Aufgabe ihn genau zu mustern und sich jeden Zentimeter seines Aussehens zu merken. Deutlich spürte der Kerl den stechenden, analysierenden Blick. Er trat ihm geradewegs in die Seite. Steve drehte sich zur Seite. Es pochte. Doch der Schmerz an seinem Knie war gehässiger.


* * *

Betäubt lag Steve auf dem Boden. Sein gesamter Körper sendete Schmerzen aus. Von jeder Stelle, wo er Verletzungen trug. Sie ließen ihn bei jeder Bewegung wimmern. Mehrere Rippen waren gebrochen oder angeknackst. Mehrere Finger gebrochen. Überall bedeckten ihn Blutergüsse. Dennoch hielt ihn der Schmerz kaum noch davon ab, immer mehr abzudriften. Sein größter Wunsch war es endlich die Augen schließen zu dürfen, um zu schlafen. Nichts sehnlichster erfüllte ihn. Wie lange er sich bereits in Gewallt von Minkow befand, entzog sich seinen Gedanken. Um ehrlich zu sein, war es ihm auch vollkommen egal. Das einzige was momentan zählte, war den Schmerzen zu entkommen und endlich schlafen zu dürfen. Vollkommen apathisch lag Steve am Boden. Er versuchte irgendwie der Folter des Schlafenzuges zu entkommen. Neben all diesen Schmerzen hatte er auch Kopfschmerzen. Wieder legte sich ein Schatten über ihn. Doch statt irgendwelcher fieser Methoden, ihn noch weiter wach zu halten und neue Schmerzen zufügten, bekam er eine Plastikflasche an den Mund gehalten. Ob er die letzte Zeit auch schon etwas bekommen hatte, konnte er nicht abschätzen. Alles war zu einem diffusen Durcheinander geworden. Gierig trank er das kühle Nass und erfreute sich an etwas Linderung für seine trockene Kehle. Ehe er es jedoch weiter registrieren konnte, verschwand die Flasche. Stattdessen spürte er einen feinen Stich im Arm. Etwas Kaltes wurde ihm injiziert.
Wenig später setzte die Wirkung des Mittels ein, dass ihm verpasst worden war. Ein leichtes Kribbeln, dass sich von der Einstichstelle aus über den gesamten Körper ausbreitete. Es fühlte sich an, als würde eine Horde Ameisen unter seiner Haut entlangkrabbeln. Die Müdigkeit nahm schlagartig ab. Er wurde hellwach. Sein Puls wurde schneller und auch die Lungen weiteten sich. Langsam sickerte ihm die Wahrheit durch, mit welchen Methoden es der Russe nun versuchte, ihn vom Schlafen abzuhalten … Adrenalin. Es sorgte dafür, dass sein Körper weitere Energie freisetzte und er munter war. Bei Gefahr ganz nützlich. Es half Dinge zu vollbringen, die einem zuvor als Unmöglich erschienen.
Doch nun lernte er die bösen Abgründe davon kennen. Das Adrenalin spielte seinem Gehirn eine Illusion vor. Dass er wach war und keinen Schlaf brauchte, dabei schrie sein Körper danach. Die Schmerzen rückten in weitere Ferne. Er konnte sich wieder besser bewegen. Der Schlafmangel lähmte ihn nicht mehr vor Schmerzen. Das Zittern vor Kälte nahm ab. Böse funkelte er den Kerl an. Er richtete sich geradewegs auf. »Na sieh einer an, Sie erwachen ja wieder!«, sprach der Russe feixend aus und legte die Spritze beiseite. Steve kroch selbst auf die Wand zu und lehnte sich dagegen. Erst jetzt nahm er zum ersten Mal seine Unterkunft so richtig in Augenschein. In seiner Ecke lag eine alte Matratze am Boden. Der Raum bestand aus Holz. Am anderen Ende stand ein Tisch und ein Ofen in dem ein Feuer brannte. Weiteres Licht brannte in Form von mehreren Kerzen auf dem Tisch. Draußen vor den einfachen Fenstergläsern war es stockfinstere Nacht. Steve glaubte sogar in weiter Ferne einen Wolf heulen zu hören. Eine Tür führte aus dem Esszimmer hinaus. Doch mit Sicherheit war sie verschlossen. Es ausprobieren wollte der Soldat nicht. Mit Sicherheit würde ihn sein Wachhund vorher niederschlagen.
Steve schlang die kribbelnden Arme um seine Knie. Selbst die Schmerzen bei seinem Knie waren zu einem dumpfen Pochen geschrumpft. Das machte ihm weit mehr Sorgen, als er zugab. In diesem Moment wurde ihm klar, dass bei jeder Adrenalinspritze die Wirkung schwächer und kürzer wurde. Irgendwann forderte sein Körper nach Schlaf. Wenn er sich dann in diesem Zustand befand, war es soweit, dass er leicht an Übermüdung sterben konnte. Dieses andauernde auf und ab sorgte dafür, dass irgendwann sein Herz nicht mehr mitspielte.
Diese unguten Gedanken schob der SEAL von sich. Er musste an das hier und jetzt denken, wie bei der Höllenwoche auch, sonst war er verloren. Missmutig starrte Steve vor sich her und blickte auf das Licht der Kerzen ihm gegenüber. Seinen Aufpasser blendete er in diesem Zug auch aus.


* * *

Immer weiter rutschte der SEAL an der Wand zur Seite, seine Augen konnte er nur noch schwer aufbehalten. Die Kopfschmerzen kamen zurück, er vernahm ein Rauschen in seinem Kopf, das einfach nicht verschwinden wollte. Das Vielfache Echo aus Schmerzen drang mit aller Härte auf ihn ein. Als erstes lösten sich seine Arme von den Knien, dann rutschten die Beine über den Boden. Das kurzzeitige Aufflammen der Schmerzen im lädierten Knie weckten ihn aus dem Dämmerzustand wieder auf, doch kurze Zeit später sanken die Lider bedächtig nieder. Sein Oberkörper rutschte zur Seite. Dumpf landete er auf dem Boden. Seine Augenlider flatterten, der Atem ging flach. Zum unendlichsten Mal tauchte der Schatten über ihm auf. Warme Finger legten sich an seinen Hals. Erneut spürte er das Pieken der Nadel an seinem Oberarm. Wieder bekam er das Adrenalin verabreicht. Nur schwach nahm er die Wirkung wahr. Unerwartet klapperte er mit den Zähnen, ihm war so unsagbar kalt. Seine ganzen Glieder zitterten.
»Boss!!«, brüllte der Russe nach nebenan. Keine Minute später wurde die Tür ruckartig geöffnet. Minkow trat in den Raum. Sofort fiel sein Augenmerk auf McGarrett. Dieser war mit seinen Kräften am Ende. »Hast du ihm das Adrenalin gegeben?« Sein Handlanger nickte auf diese Frage hin mit dem Kopf. Natürlich hatte er es ihm gegeben!
»Gib ihm nochmals was, größere Dosis. Solange, bis er wieder auf den Beinen ist und dann bring ihm nach neben an. Es geht in die letzte Runde. Sobald er wieder mit allen Sinnen bei sich ist, können wir ihn ausfragen. Er wird singen wir ein Vogel.« Damit verließ Minkow den Raum. Er wirkte selbst ein wenig erledigt, auch wenn er einen gesunden Schlaf genießen durfte. Es war anstrengend gewesen. McGarrett war ein junger, zäher Hund. Es waren zwei Wochen vergangen, seit sie ihn im Lager geschnappt hatten. Eisern hatte er durchgehalten und erst jetzt war er an dem Punkt, wo er alles ausplaudern würde. Auch die tiefsten Geheimnisse des US-Militärs.
Zufrieden blickte er nebenan in den Raum. Ein Seil hing im Raum von der Decke.
Steve spürte nach der zweiten großen Injektion in Folge die Rückkehr des unheilvollen Kribbelns. Es holte ihn zurück aus dem Delirium, dem Zustand zwischen Wachen und Schlafen. Erneut rückte der Wunsch nach Schlafen in den Hintergrund. Dennoch fühlte sich Steve wie gerädert. Er fühlte sich antriebslos. Der Wunsch, sich zu bewegen, war wie weggefegt. Der Russe packte McGarrett an den Schultern an und schleifte ihn aus dem Raum. Der SEAL war wirklich am Ende seiner Kräfte. Fast anderthalb Wochen hatte er so durchgehalten, bis sie mit dem Adrenalin anrücken mussten. Das war ein Zäher Lappen. Endlich hatten sie ihn soweit. Die Folter zeigte endlich Wirkung. Im Raum nebenan, fesselten sie ihm die Hände auf den Rücken, dann zogen sie ihm die Arme nach oben und banden das Seil von der Decke darum, sodass er vorneübergebeugt dastand. In diesem Zustand meldete sich Minkow endlich wieder zu Wort und stellte eine Frage nach der anderen. Er wollte Antworten vom Soldaten haben, die er so dringend brauchte. Nicht umsonst hatte er Amerika so eine Falle gestellt, damit er einen von ihren Soldaten zwischen die Finger bekam. Und leider hatte es ausgerechnet ein Navy-SEAL sein müssen. Direkt vor seinen Augen wurde Minkow bewusst, was das wirklich für zähe Hunde waren. Sie wurden ihrem Ruf gerecht. Und auch jetzt, obwohl McGarrett so ziemlich am Ende seiner Kräfte angelangt war, hielt er eisern den Mund. Keine einzige Frage beantwortete er. So viel Selbstdisziplin beherrschte ihn. Doch es wurde immer schwerer für ihn im Hier und Jetzt zu bleiben. Immer mehr driftete er ab. Sein Geist bedrängte ihn mit dem Wunsch zu schlafen, doch die Überdosis Adrenalin verhinderte das. Sein ganzer Körper brach zusammen. Das unverletzte Bein knickte ihm ein. Ein Ruck ging ihm durch die Schultergelenke. Er schrie voller Schmerzen auf. Schaffte es jedoch nicht mehr, sich wiederaufzurichten. Das Feuer der Schmerzen schoss ihm durch den Körper.
Und dann brachen die Halluzinationen auf ihn ein. Sie fraßen ihn auf, wie ein gefräßiger Wolf. Er glaubte zuhause auf Hawaii zu sein. Da war seine Mom, lebendiger wie nie. Sein Dad kam von der Arbeit heim. Mary ging ihm wegen etwas auf den Keks und er wollte sich mit Freunden treffen. Da war ein Footballspiel. Freddy war auch da, aus irgendwelchen Gründen … Steve wimmerte leise auf.
Minkow fluchte. Sein Gefangener brach nun vollends zusammen. Ehe einer der Anwesenden etwas tun konnte, krachte eine Tür auf und prallte an der Wand wieder ab, mehrere Soldaten stürmte die Hütte. Sie zwangen Minkow von Steve weg. Der andere Russe versuchte noch nach seiner Waffe zu greifen und bekam drei Schüsse in die Brust. Leblos fiel er zu Boden und das Blut floss ihm aus den Wunden. Steve bekam vom Trubel nichts mehr mit. Seine Augen waren geschlossen und spielten unter seinen Augen. Immer wieder wimmerte er leise vor sich hin. Sofort trat Freddy auf ihn zu und zog sein Kampfmesser aus der Scheide. Er schnitt ohne Umschweife das Seil durch und Billy und Sam fingen den SEAL auf, ehe er sich noch schlimmer verletzen konnte.
Unterdessen nahmen die Army-Soldaten ihren gesuchten Mann fest. Freddy legte eine Hand an Steves Hals. »Sein Puls geht noch durch die Decke. Wir müssen ihn sofort hier rausbringen!«


* * *

Langsam erwachte Steve aus einem traumlosen Schlaf. Er fühlte sich noch immer gerädert und dumpf drangen die Schmerzen auf ihn ein. Auf keinen Fall wagte er es, sich zu bewegen. Alles tat weh und er atmete recht flach. Vorsichtig wagte er es, die Augen aufzuschlagen. Sanft strahlte ihm das Licht entgegen. Ein stetiges Piepen begleitete seinen Herzschlag. Mit einem Blinzeln wurde die Sicht klarer. Er lag auf einer Krankenstation. Steve war an eine Infusion angeschlossen, ebenso wie ans EKG. Seine Sauerstoffsättigung und der Blutdruck wurden überwacht. Um seine eine Hand spürte er einen Gips und seine Brust war einbandagiert, um die lädierten Rippen zu stützen. Auch sein Knie hatten sie behandelt, genauso wie die Schultern ruhiggestellt waren. Dennoch waren die Schmerzen stark. Er drehte zaghaft den Kopf, weil er die Anwesenheit einer weiteren Person spürte.
Er starrte geradewegs in die aufgeweckten Augen seines besten Freundes. »Fred … dy …«, brachte er mit kratziger Stimme über die Lippen. Sofort lächelte ihm der Angesprochene entgegen. »Ruhig, Smoothdog. Bleib liegen. Ruh dich aus, okay. Du musst dich erst von der Tortur erholen.«
Ein wirres Durcheinander drang auf ihn ein. Er verstand den Zusammenhang nicht dazu. Immer wieder überlagerte das Gefühl nach Schlaf die Erinnerungen. Dann Schmerzen und das komische Kribbeln in seinem Körper. Kälte war auch dabei. Doch mehr ergab es keinen Sinn. »Was ist passiert?«, seine Stimme war nur noch ein dünner Hauch. Kaum zu vernehmen. Selbst das Sprechen verursachte ihm Schmerzen. Bereitwillig gab ihm Freddy eine Antwort darauf. Er kannte seinen Freund nur zu gut. Auch vor der SEAL-Ausbildung konnte er selten sitzen bleiben. Musste immer auf Trab bleiben und sorgte mit seinen Witzen und Scherzen für eine Aufgelockerte Stimmung. In knappen Worten berichtete Freddy vom schiefgelaufenen Einsatz, der nichts weiter, als eine Falle gewesen war. Danach die Suche nach ihrem Kameraden, bis sie endlich auf eine weitere Hütte gestoßen waren und sie gestürmt hatten. Minkow befand sich nun in Gewahrsam der Amerikaner. Nur die erhofften Informationen auf den Festplatten waren ausgeblieben. Steve selbst war direkt zum nächsten Militärstützpunkt geflogen worden, wo die Ärzte feststellten, dass er an Schlafmangel litt und eine Überdosis Adrenalin verpasst bekommen hatte. Nur mit viel Mühe hatten es die Ärzte geschafft ihn wieder zu stabilisieren und die Verletzungen zu richten.
Nun lag er hier auf der Krankenstation und war endlich wieder aufgewacht. Steve hatte fast drei Tage durchgeschlafen. Doch noch immer fühlte er sich gerädert und Müde. Nur die pochenden Schmerzen hielten ihn davon ab, weiter zu schlafen. »Komm, mach die Augen zu Steve. Nimm die imaginären Streichhölzer weg. Musst nicht wegen mir aufbleiben, ich bleibe hier, bis du das nächste Mal erwachst. Versprochen.«
»Schmerzen«, hauchte der SEAL mit dünner Stimme. Sofort hellte sich Freddys Gesicht auf und er holte das Personal. Den Arzt bat er um weitere Schmerzmittel für seinen Freund. Kurz sprach der Arzt Steve an und kontrollierte die Werte, dann bekam er endlich die ersehnte schmerzstillende Spritze und entschwebte der Welt erneut. Ihm fielen die Augen zu und wieder glitt er in einen traumlosen Schlaf.
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BeitragThema: Re: Waiwai | 6x17   Mi Jun 01, 2016 11:09 pm

5 – Zeit für Rache und einer verzweifelten Suche

Das Team war vollkommen geschockt, was sie hier lasen. Sie hatten die unzensierte Akte vor ihren Augen. Kein Detail war gekürzt oder mit schwarzen Balken versetzt. Ihnen wurde zum ersten Mal so richtig bewusst, was Steve eigentlich tun musste. Was er durchgemacht hatte. Und dies war einer seiner ersten Aufträge gewesen, dem Datum nach. 2001 hatte er seine Ausbildung zum Navy-SEAL begonnen.
Dass Steve von Strawberry Field nicht einmal etwas erwähnt hatte, zeigte von seiner inneren Stärke, die in diesem Soldaten innewohnte. Bekannte Namen waren ebenfalls in diesem Bericht aufgetaucht. Von allen vier SEALs hatte auch die Task Force Kenntnis. Freddy und Billy waren beide tot, während Sam als Undercoveragent für den NCIS tätig war.
»Wir müssen Steve finden«, brachte Danny auf den Punkt. In seiner Stimme schwang die Dringlichkeit der Angelegenheit mit. Er wollte sich auf keinen Fall ausmalen, was sein Partner in diesem Moment durchleben musste. Das musste grausam sein. Grover und Chin stimmten ihm mit einem Nicken zu. Doch Costland und Kono blieben skeptisch. »Wieso sollte Minkow dahinterstecken?«, fragte sie den Detective. »Es kann durchaus ein dummer Zufall sein, dass sie ausgerechnet Steve mitgenommen haben. Denn wozu braucht Minkow die Akte? Er weiß doch, wen er damals verschleppt hat. Außerdem«, Kono tippte neben ihrer Ansprache auf dem Surftable herum und rief seine Akte auf, »sitzt er lebenslang im Gefängnis.«
Damit hatte die Kleine recht. Costland war immer noch nicht überzeugt. Weder die Möglichkeit, dass Minkow dahintersteckte, noch, dass es ein Zufall sein konnte, schmeckten ihm. Aus welchem Grund, hatten sich die Russen so eine Mühe gemacht, diese Akte zu stehlen? Er blickte die Namen der beteiligten Personen an. Bei den Mitgliedern bei der NSA kannte er nur einen von ihnen. Und dieser war momentan im Nahen Osten stationiert. Den anderen kannte er nicht. Schließlich kannte er auch nicht jeden bei der Arbeit. Es war schon Zufall genug gewesen, dass er ausgerechnet heute Morgen zur Task Force geschickt worden war, um Commander McGarrett zu unterrichten, dass Lieutenant Rollins tot war und es mysteriöse Spuren zu ihm gegeben hatte. Wäre ein anderer hier aufgetaucht, hätte sich Craig erst heute Abend oder spätestens morgen früh Sorgen gemacht, was mit seinem Freund passiert war. Erst dann hätte die NSA bemerkt, dass Daten gestohlen worden sind und die Task Force hätte erfahren, dass es Operation Strawberry Field gewesen war, dessen Inhalt sich in Händen der Russen befand.
Ein Zufall aus vielen Zufällen. Craig schüttelte den Kopf. Er starrte den Kopf des Mannes an. Vierzehn Jahre waren vergangen, seit die Operation gelaufen war. Der Mann war gealtert. Seine braunen Haare waren einer grauen Farbe gewichen, doch noch immer wirkten die blauen Augen aufmerksam und glasklar. Sie schienen durch das Bild hindurch jeden im Raum aufmerksam zu mustern, auch wenn es nur ein Foto aus Abermillionen von Pixeln war.
Diesem Mann wollte Costland auf keinen Fall leibhaftig begegnen. Er trat näher an den Computer heran, wo die Task Force die Gesichter der anderen zwei Personen versuchte zusammenzusetzen, da sie sich nie vollkommen den Überwachungsbildern zeigten. Sie wussten, wo sich diese befanden. Also waren sie einige Male zuvor schon im 'Iolani Palace gewesen. Hatten dort alles ausgekundschaftet oder waren sogar beruflich hier angestellt. Letzteres jagte den Five-0 Ermittlern einen Schauder über den Rücken.
Sie würden Steve nicht seinem Schicksal überlassen. Unermüdlich würden sie versuchen ihn zu finden. Doch der Blick hinaus wirkte dagegen wie das Gegenteil. Die Sonne war untergegangen. Noch zeigten sich ihre Strahlen auf dem Himmel, doch diese würden schwinden. Besonders da sich bedrohliche Wolken am Himmel gebildet hatten. Irgendwann die nächste Stunde, würde eine Sintflut auf die Insel niedergehen. Vorbei waren die Tage der erdrückenden Schwüle. Der Regen würde die Insel reinwaschen.


* * *

Steve spürte einen Unterschied zum letzten Mal. Hatten da die Spritzen ein Kribbeln verursacht und seine Herz- und Lungenleistung gesteigert, spürte er diesmal eher eine Trägheit, die ihm zu Kopfe stieg. Sie nistete sich in seinem Nacken ein und ließ ihm die Augen zufallen. Das schien geradewegs das Gegenteil von Adrenalin zu sein. Die Hitze in seinem Kreuz wollte nicht weichen. Stattdessen breitete sie sich langsam über die Schultern aus, zu seinen Armen und dort weiter hinunter. Ebenso den Rücken hinab.
Steve wand sich unter diesem heißen Gefühl. Der Schweiß stand ihm auf der Stirn. Er fühlte sich, als hätte ihn jemand in einer Wüste ausgesetzt und nicht tief unter der Erde in einen Bunker eingesperrt. Seine Finger und Arme begannen zu zittern. Ein eiskaltes Gefühl tauchte so unvermittelt auf und wischte die Hitze in seinem Körper fort. Er wollte nur noch, dass es aufhörte. Es tat so unsagbar weh. Seine Zähne klapperten, während seine Beine schmerzten. Sie waren noch immer von der Hitze erfasst. Der Commander riss die Augen auf. Starrte an die Decke im Bunker. Er ächzte nun vor Schmerzen. Minkow war ein gerissener Hund. Was er auch immer da verabreicht hatte, brachte seinen Körper vollkommen durcheinander.
Neben der Kälte tauchte dieses gehasste und bekannte Kribbeln auf. Durchzog seinen Körper und fegte die Müdigkeit fort. Noch immer saß diese Schwere in seinem Nacken. Sie drückte ihm auf die Augen und das Gehirn. Langsam, aber stetig dämmerte Steve fort. Sie riss ihn hinab in ihr Reich.
Kurze Zeit war er einem Blackout ausgesetzt. Denn als er wieder zu sich kam, lehnte er zitternd und frierend an der rauen Betonwand. Er starrte den Verband an seinem Unterarm an, dort wo ihn die Kugel verletzt hatte. Moment … Kugel?, schoss es ihm durch den Kopf. Deutlich spürte er das Brennen jener Kugel. Vor seinem Auge sah er deutlich das Heck von Grovers schwarzem SUV. Schüsse drangen auf ihn ein, klangen ihm in den Ohren und dann trafen zwei Kugeln das Metall. Als würde es in Wahrheit geschehen zuckte Steve zurück. Nur im Hintergrund nahm er die schmerzhafte Bekanntschaft zwischen seinem Hinterkopf und der Wand wahr. Die Kopfschmerzen waren schnell vergessen. Die Kugel flogen an ihm vorbei und eine traf seinen Unterarm. Sorgte für einen brennenden Schmerz. Ungläubig starrte Steve auf sie hinunter.
Langsam rappelte er sich auf, spürte das schwanken seines Kreislaufes. Er fühlte sich schwach auf den Beinen. Doch ehe er etwas in die Richtung tun konnte, erfasste ihn die nächste Erinnerung.
Der Mittagshimmel war fast wolkenlos. Ein schwarzer Gegenstand segelte durch die Luft. Jeder der Polizisten suchte so schnell es ging Deckung. Er selbst rannte los und sprintete los, doch er war zu spät. Der Boden bebte, ein Knall erschütterte die Straße. Pfiff ihm in den Ohren. Geradewegs wurde Steve nach vorne geschleudert. Er krachte über die Motorhaube des nachtschwarzen Camaros, hinter dem sein Partner Schutz gesucht hatte. Ein weiterer Überschlag. Brennen an seinen Unterarmen. Der Aufprall auf Mutter Erde nahm ihm kurzzeitig die Luft zum Atmen. Zu guter Letzt verlor er das Bewusstsein.
Steve lag nach einem Rumms erneut auf dem Boden. Er atmete ziemlich schwer. Sein ganzer Körper bebte und sein Herz raste. Seine Augen waren geschlossen und spielten unter den Augenlidern. Ein Zittern tauchte wieder auf, doch diesmal wachte Steve nicht auf. Dazu war er viel zu sehr in die Ohnmacht seiner Erinnerung gefallen.


* * *

Das Lachen eines glücklichen Kindes mit braunen Haaren verklang und ihr Bild verblasste vor Steves Augen. In seinem Kopf hörte er sie nur noch voller Freude etwas rufen. »Onkel Steve …!« Dann war er selbst ganz wo anders. Ein schwacher Schein der Glühbirne erstrahlte im Raum. Steve richtete sich nur langsam auf, nachdem er feststellte, dass er ausgestreckt auf dem Boden gelegen hatte. Seine Glieder fühlten sich kalt und schwer an. Nur ungelenk konnte er sich aufrichten und schwankte zur Wand hinüber, gegenüber der stählernen Tür. Von ihr platzte der uralte Lack ab und zeigte an dieser Stelle ihren rostigen Grund. Steve fühlte sich der Tür irgendwie verbunden. Äußerlich glich er einen unnahbaren Soldaten. Doch innerlich war er verloren, zerrissen und voller Schmerzen. Er lehnte den Kopf an die Wand und blickte hinauf an die unerreichbar ferne Decke. In den Ecken lauerte dunkle Schatten. Rote Augen schielten aus ihnen hervor und beobachteten ihn. Ihre Krallen kratzen hier und da über den rauen Beton. Sie warteten auf eine Reaktion von ihm. An der Decke selbst tanzten ebenfalls die Schatten, doch blinkten dort die kleinen und großen, weißen Punkte. Sterne … sie hatten all ihre Magie verloren und wirkten nur noch wie kalte, gleichgültige Beobachter. Es schien ihnen egal zu sein, dass der Commander dort unten vor Schmerzen und Kälte litt.
Er schlang die Arme um sich. Er bibberte vor Kälte. Seine Lippen waren bereits blau angelaufen. Er fühlte sich schwach. Wagte es nicht, sich zu erheben. Schritte hallten im Raum wieder. Nur schwer hob Steve den Kopf. Es kostete ihm unendliche Mühe, die Augen zu öffnen. Am liebsten wollte er nur noch schlafen, doch die Schmerzen verhinderten dies. Endlich schaute er der Person ins Gesicht. Tränen des Glücks füllten seine Augen. Sie rollten ihm die Wange hinab. Vorsichtig streckte er zitternd einen Arm aus, doch kostete es ihm unendliche Kraft. »Freddy!« Er konnte es nicht glauben, dass sein bester Freund vor ihm stand. In seiner Kampfmontur und mit dem Herztattoo von seiner Freundin Kelly auf dem Arm. Diese hatte er über alles geliebt und wollte sie niemals in seinem Leben missen, auch wenn sie sich keifen konnten, wie die letzten Affen auf Erden.
Sein bester Freund schlug dagegen die Hand beiseite. »Wie konntest du mich zurücklassen!«, fauchte ihm Freddy entgegen. Dieser Tonfall und die Worte verpassten Steve einen Mentalen Schlag ins Gesicht und das Herz. Er zuckte zusammen. Noch immer rannen im die Tränen über die Wangen. »SEALs lassen sich niemals im Stich! Ich musste so viel durchleiden. Sie haben mich misshandelt. Auch schon, als ich am Ende meiner Kräfte war. Ich bin im Wissen gestorben, dass du mich im Stich gelassen hast.« Die Wut verzerrte Freddys Gesicht. Zeigte seine Wut offen. Steve bekam Angst davon, machte sich klein. Er zitterte noch stärker. Leise kamen die Worte über seine Lippen. »Ich konnte nicht … Anton … ich habe dich, gerettet! Nach Hause geholt!«
»Aber drei Jahre zu spät. Du räudiger Hund. Ich dachte wir seien Freunde … Brüder!« Freddy baute sich bedrohlich vor dem Commander auf. Starrte auf ihn hinab. Steve glaubte, kaum noch Luft zum Atmen zu bekommen. Es schmerzte so unsagbar in seiner Brust. Langsam wurde ihm klar, dass er wirklich seinen Freund im Stich gelassen hatte. SEALs ließen niemals einen Mann zurück und er hatte es getan. Die Sicht verschwamm ihm vor den Augen. Er kippte seitlich zu Boden. Das Wissen, was für ein Verbrechen er getan hatte, ließ ihn zusammenbrechen.
Wenn Steve damals seinen verletzten Kameraden und Freund mitgenommen hätte, wäre er noch am Leben und Anton vermutlich entkommen. Sein Vater wäre noch am Leben und alles wäre anders gekommen … Steve fasste sich an die Brust. Er hustete. Ehe er sich versah, griff die Dunkelheit nach ihm. Das Kichern von Hyänen klang ihm im Ohr wieder. Offenbar machten sich die rotäugigen Wesen lustig über den Navy-SEAL, der mit gebrochenem Herzen am Boden lag.
Steve unterlag den Halluzinationen, welche das Mittel verursachten, das Minkow mit einer Formel verfeinert hatte, das dafür sorgte, dass Steves eigener Körper das Adrenalin selbst produzierte. Er sollte solange leiden, bis sein Körper von selbst unter der Belastung zusammenbrach. Leise schloss Minkow die Tür der kleinen Zelle und lächelte versonnen in sich hinein.
Mit dem Flashdrive in der Tasche verließ er die Bunkeranlage, die sich mitten im Urwald befand. Ehe die Task Force ihren Teamleiter fand, war dieser längst tot. Er selbst war auf dem Weg nach Los Angeles und nahm sich den nächsten Soldaten auf der Liste vor. Nachdem es ihm gelungen war, aus dem Gefängnis zu kommen, hatte er beschlossen es allen Personen heimzuzahlen, die sich damals in den Wäldern aufgehalten hatten. Ihnen sollten allen das Erdbeerfeld im Halse stecken bleiben. Angefangen mit Lieutenant-Commander McGarrett. Diesen Mann hatte er nicht brechen können. Für dies und auch der Tatsache, dass er damals dafür gesorgt hatte, dass Minkow hinter Gitter kam, sollte er nun leiden und qualvoll sterben. Alle anderen bekamen einen schnellen Tot. Nicht umsonst genoss er in Russland den Ruf eines ausgezeichneten Scharfschützen. Ehe jemand begriff, was Minkow vorhatte und dass er dahintersteckte, waren alle Mitglieder an der Operation bereits tot. Bereits jetzt erfüllte ihn das befriedigende Gefühl einer abgeschlossenen Mission. Sobald diese Arbeiten erledigt waren, würde er von der Bildfläche verschwinden und in den verdienten Ruhestand zu gehen. Auch vor vierzehn Jahren war er nicht mehr der Jüngste gewesen.


* * *

Danny beendete sich mit einem ›Danke!‹ das Gespräch und stand so schnell es ging von seinem Stuhl auf. Er schoss geradewegs aus seinem Büro zu den anderen am Surftable zu. Dort herum stand das Team. Es war bereits der nächste Morgen. Als sie sich alle nur noch schwer auf den Beinen halten konnten, waren sie nach Hause gefahren. Dennoch belastete jeden von ihnen das Gefühl, dass es Steve nicht gutging. Wo auch immer er gerade festgehalten wurde, dort wurde ihm übel mitgespielt.
»Gerade erreichte ein anonymer Hinweis das HPD. Jemand hat unsere gesuchten Personen gesehen. Steve war auch mit dabei. Sie haben ihn in einen Bunker im Urwald gebracht. Heute Morgen verließen sie ohne ihn diesen wieder und sind in einen Wagen eingestiegen. Ich hab auch die Nummer des anonymen Anrufers.« Er gab sie Kono durch, diese stoppte mitten im Eintippen. Sie kam ihr vertraut vor. Nach der kurzen Unterbrechung tippte sie diese fertig ein und suchte die Nummer. »Das Signal kommt vom Flughafen. Und das ist Alexander Dearings Handy!«
Jeder im Raum fragte sich in diesem Moment, ob die Kerle so bescheuert waren oder eine größere Sache dahintersteckte. Wer zum Teufel belastete sich selbst mit einem anonymen Hinweis? Vielleicht hatten sie ja Gewissenbisse um den Commander? »Chin, Danny, ihr beide fahrt zum Bunker, Kono und ich schnappen uns die Kerle am Flughafen. Gemeinsam mit dem HPD und dem SWAT-Team«, gab Grover als ranghöchstes Mitglied die Befehle. Ohne Umschweife griffen sie nach ihren Waffen und verließen das Büro. Unten stiegen sie in die Fahrzeuge und fuhren zu ihren Bestimmungsorten. Während Danny den Camaro über die Straßen lenkte, orderte Chin einen Rettungswagen zur angegebenen Adresse. Diesen würden sie mit Sicherheit brauchen. Kono forderte die nötige Unterstützung an, während Grover seinen angeschlagenem SUV im hohen Tempo über den Asphalt fuhr. In Rekordzeit erreichten sie das Terminal des Honolulu International Airports. Mit dem letzten Anruf bat die junge Officer die Security im Innern des Flughafens um eine Abriegelung des Geländes. Die Personen, welche Steve verschleppt hatten, durften nicht entkommen.
Sobald das HPD und die SWAT-Einheit eingetroffen waren, machten sie sich an die Arbeit ins Gebäude einzudringen. Sie kontrollierten jeden Menschen im Gebäude. Niemand durfte raus oder rein, bis die großzügige Durchsuchungsaktion beendet war. Jäh erstarb die Arbeit im Terminal.


* * *

Schlitternd kamen die Reifen des Sportwagens im Schlamm zum Stehen. Sein Wagen brauchte nach dieser wilden Fahrt durch die Pampa eindeutig einen Gang durch die Waschanlage. Momentan war dies dem Besitzer des Wagens herzlich egal. Graue Wolken hingen über den Bäumen und zeigten davon, dass es vermutlich bald wieder anfangen würde zu schütten. Die ganze Nacht schon hatte es geregnet und gewindet, wie schon lange nicht mehr.
Aufgrund eines umgekippten Baumes kamen die Ermittler mit ihrem fahrbaren Untersatz nicht mehr weiter. Geschickt kletterten sie über den Baum und näherten sich stetig dem Eingang der Bunkeranlage. Sie war kaum zu sehen. Die Vegetation hatte den Bunker eingehüllt in ein grünes Kleid. Nur beim genaueren Hinschauen fiel das trostlose grau des Bunkers auf. Der Eingang war halb verfallen. Nur noch eine Tür hing schief in den Angeln, von der anderen fehlte jede Spur.
Chin und Danny traten hinein in die Dunkelheit. Sofort überfiel den Jersey-Cop ein kalter Schauder. Seine Nackenhaare stellten sich auf und ihm stand der Schweiß auf der Stirn. Er hasste diese Klaustrophobie – die Angst vor engen Räumen. Doch für seinen Freund und Partner holte er tief Luft. Unterdessen hatte Chin bereits eine Taschenlampe hervorgeholt und knipste sie an. Ihnen beiden stach der unangenehme Geruch nach Urin in der Nase. In einer Ecke erleuchtete der Lieutenant schließlich den Grund. Danny verzog das Gesicht. Hier nutzten die Obdachlosen offenbar sehr gerne den Eingangsbereich des Bunkers. Weiter hinten führte ein Gang weiter hinein in den Berg. Irgendwo hier innen wurde ihr Commander festgehalten. War noch immer jemand bei ihm und quälte ihn? Oder schlimmer noch … hatten sie ihn bereits auf die Reise über den Jordan geschickt? Dannys Nackenhaare stellten sich auf und er schickte sich, in Chins Nähe zu bleiben. Bereits einmal war er für Steve durch eine Bunkeranlage gelaufen. Doch damals hatte sie weit weniger dunkel und beengt gewirkt, wie diese hier.
Schweigend liefen die Polizisten Seite an Seite entlang und durchforsteten jeden Raum. Doch nirgends fehlte eine Spur auf ihren Boss. Er blieb noch immer vom Erdboden verschluckt. Schließlich bogen sie um eine Ecke. Der nächste Raum war offenbar einmal ein Schlafsaal gewesen, doch hier hatte jemand achtlos uralte Akten hineingeworfen. Die meisten waren zerfleddert und zerrissen. Einige sogar zu Staub zerfallen. Auch hatte es jemand lustig empfunden die dazugehörigen Aktenschränke und Regale hineinzuschieben. Woher die wohl kamen?
Als sie draußen wieder auf dem Gang standen, wirkten die Ermittler stiller als zuvor. Sie grübelten vor sich hin. Kurz bevor Danny etwas äußern konnten, vernahmen sie den schmerzvollen Aufschrei eines Mannes. Es stellte ihnen die Nackenhaare auf und sie fuhren zum Ende des Ganges herum. Von dort war der Schrei gekommen. Wieder lebte er auf. Ihnen wurde klar, wessen Stimme das war: Steve.
Sie nahmen ihre Beine in die Hand und rannten den Gang hinunter. Eine Ratte quiekte erschrocken auf und suchte das Weite. Chins Licht tanzte beim Rennen auf und ab. Beide hatten die Metalltür am Ende des Ganges im Blick. Chin warf sich als erstes gegen sie und drückte die Klinke hinunter, doch sie war verschlossen. Kein Schlüssel steckte in ihr. Sie kamen nicht hinein. Ein Fluch schoss dem Hawaiianer durch den Kopf.
Ein dumpfer Aufprall war auf der anderen Seite der Tür zu hören und wieder schrie Steve um Leibeskräften. Danny glaubte, ihm wurden dabei die Beine weich wie Butter. Chin deutete nach oben. Ein Lüftungsschacht brachte die Worte zu ihnen. Danny nickte nur und blickte sich suchend um. Schließlich zog er seine Waffe aus dem Holster und entsicherte sie. Er schoss geradewegs auf die Tür, brachte jedoch nur eine Delle ins Metall. Chin ergriff dagegen ein Brecheisen, das neben anderen Schutt und Schrott in einem Seitengang lag. Er setzte sie zwischen Rahmen und Tür an. Mit einem kräftigen Ruck riss er das Schloss aus dem Beton und die Tür glitt auf. Sofort stürmten die Five-0 Ermittler in den Raum.


* * *

Fieberhaft ging Kono den Fall nochmals durch. Irgendwie hatte sie das Gefühl, etwas übersehen zu haben. Da konnte etwas nicht stimmen. Warum gab es immer wieder diesen Wiederspruch aus perfekter Planung und Chaos, sowie Raffinesse und Planlosigkeit? Sie versuchte dieses hin und her zu erklären und abzuwägen.
Es war ein dummer Zufall gewesen, dass Dearings Leiche an den Strand angespült worden war. Doch bei genauem Hinsehen hätte das mit Beobachtung des Meeres auch verhindert werden können. An der Richtigen Stelle in den Pazifik geworfen und die Leiche des NSA-Analysten wäre nie aufgetaucht oder viel zu spät. Die Idee mit dem Doppelgänger in der NSA war dagegen ausgesprochen genial gewesen. Und Sasha sah dem Toten auch ausgesprochen ähnlich. Nur Agent Costland hatte den Betrug bemerkt und das durch Zufall auch viel zu spät. Dagegen hatte Sasha im Hotelzimmer einen Fehler begangen und der Task Force sein Gesicht gezeigt. Dadurch waren sie am Circle Drive aufgeflogen. Die Granate war ein guter Einfall gewesen, hatte jedoch keinen von der Polizei tödlich getroffen. Nur ein gebrochener Arm war das gravierendste gewesen. Den aufwendigen Anschlag auf den 'Iolani Palace zeigte von längerer Planung. Die Personen hatten das Gebäude ausgekundschaftet und es hatte wohl immer schon im Vordergrund gestanden Steve zu entführen. Sasha war dabei nur die zweite Fliege mit der Klappe gewesen. Also hatte das Team es immer von der falschen Seite gesehen!
Kono schreckte aus ihren Überlegungen auf. Bevor sie Grover von dieser Entdeckung berichten konnte, zog der Große an ihrem Arm und deutete in die Ecke. Sie folgte seinem Blick. Versucht unauffällig stand eine dreiergruppe am Rand. Zwei hatten Baseballmützen an, der dritte hatte sich die Kapuze einer dunkelblauen Sportjacke übergezogen. Die Kleidung kam Kono ausgesprochen bekannt vor. »Sasha!«, zischte sie nur noch und Grover nickte daraufhin.
Ja, sie hatten ihn und seine Komplizen gefunden. Sofort winkte Kono einen den der Beamten unauffällig zu. Dieser vernahm ihre leisen Worte. Gemeinsam mit dem HPD und dem SWAT-Team traten sie auf die Gruppe zu.
Einer der beiden riss die Augen auf und wollte bereits etwas sagen und abhauen, als Kono Sasha auf die Schulter klopfte. Er drehte sich um und lernte im nächsten Moment den harten, rechten Harken der jungen Polizistin kennen. Bereits das zweite Mal landete er auf diese Weise auf dem Boden. Den flüchtenden Mann hielt Grover am Kragen und der dritte ergab sich ohne groß Gezeter. Schnell hatten sie die drei Personen festgenommen. Die Ausweise der beiden Komplizen erzählten von Amerikanern, die hier auf Hawaii lebten. Dominic Curtis und Nicholas Brendon. Alle drei wurden von den Polizisten aus dem Gebäude gebracht und der Flughafen nahm seine Arbeit wieder auf.
Grovers Gesicht wirkte zufrieden mit einer Spur Sorge um McGarrett. Kono konnte es durchaus verstehen. Den jungen Sasha reichte sie an Duke weiter, dann wandte sie sich an den Chicago-Captain. »Mir gefällt die ganze Sache nicht. Hier steckt mehr dahinter, als wir ahnen. Jemand weiteres hat im Hintergrund die Strippen gezogen. Der Anschlag aufs Palace brauchte eine lange Planung und die vier Spatzenhirne konnte ja nicht ahnen, dass wir einen von ihnen schnappen. Es war von Anfang an geplant, dass Steve Ziel dieses Anschlags sein würde.« Grover grübelte über ihre Worte nach. Ganz langsam nickte er mit dem Kopf. Ihre Worte ergaben Sinn. Einen besseren, als zuvor. Bereits seit Steves Entführung hatte ihm etwas im Magen gelegen. Ein Detail, das nicht ins Bild passen wollte. Nun hatte die junge Hawaiianerin es endlich gefunden und auf den Punkt gebracht. Jemand zog die Strippen und derjenige war ein gerissener Hund.
Wie aufs Stichwort meldete sich Grovers Handy. Er nahm ab. Einen Moment lauschte er den Worten des Anrufers. Dann runzelte er die Stirn und Bestürzung zog in seine Augen. Er wäre mit Sicherheit erblasst, wenn er es gekonnt hätte. Mit einem knappen Dankeschön legte er auf. Kono blickte ihn fragend an. »Was ist los?«
»Das war Agent Costland. Er hat mir gesagt, dass Minkow vor drei Monaten aus dem Gefängnis ausgebrochen ist. Bis gerade eben wurde es von den dortigen Behörden noch geheim gehalten, bis deren Ermittlungen abgeschlossen sind, doch Costland hat weitergebohrt, bis sie es zugegeben haben. Und du wirst es nicht erraten: Er ist hier auf Hawaii. Einer der Kontaktmänner des NSA-Agenten hat geredet. Mittels eines Schmugglers ist er hierhergekommen.«
»Minkow hat Steve …«, brachte Kono erschrocken hervor. Ihr wurde kalt. Eine Briese lebte auf und brachte ihre Haare durcheinander. Ein kalter Nieselregen ergoss sich in diesem Moment über den Flughafen. Sie schlang die Arme um die Brust. Was hatte dieser Mann mit ihrem Boss getan?


* * *

Steve lag flach auf dem Rücken. Eines seine Beine war unter dem anderen angewinkelt. Ein Arm hatte er auf der Brust ruhen, das andere lag ausgestreckt neben seinem Oberkörper. Das Gesicht war ihnen zugewandt. Seine Augen waren geschlossen. Schweiß stand ihm auf der Stirn und die Lippen waren ungesund blau. Die Augen spielten unruhig unter den Lidern, genauso wie er am gesamten Körper zitterte wie Espenlaub. Er befand sich in keiner guten Verfassung.
Sofort waren Chin und Danny bei ihm und sanken an seiner Seite herunter. Der Hawaiianer legte ihm eine Hand auf die Stirn. Er glühte vor Hitze. Hektisch holte der Commander Luft. Danny überprüfte seinen Puls. Steves Herz schlug ziemlich langsam. Er zitterte immer deutlicher und dem Detective fiel auf, dass die Fingernägel auch so langsam blau wurden. Danny wurde genauso kalkweiß, wie es Steve war. »Scheiße. Steve muss ins Krankenhaus. Seine Zellen transportieren den Sauerstoff nicht mehr weiter oder kaum noch!« Chin folgte Dannys Blick und entdeckte nun auch die Hinweise auf Zyanose. Sofort schob er seine Arme unter das Kreuz des Soldaten. Danny ergriff dessen Knie. Gemeinsam trugen sie ihn aus dem Bunker. Noch im Gehen holte Danny sein Handy hinaus. Sobald er wieder Netz hatte orderte er einen Hubschrauber an. Sie würden zur nächsten offenen Stelle fahren und zu diesem stoßen. Steve brauchte dringend Hilfe.
Die Leitstelle gab ihm das Okay zurück, dann kletterten sie über den Baum und sie legte Steve flach auf die Rückbank des Camaros. Danny setzte sich neben seinen Partner, während Chin mit quietschenden Reifen wendete und froh war, nicht im Schlamm stecken geblieben zu sein. Im hohen Tempo fuhr er die Waldstrecke entlang zum nächsten offenen Platz, wo ein Helikopter landen konnte. Steve zitterte unterdessen immer mehr in den Armen des Blonden. Er wimmerte immer wieder vor Schmerzen auf, doch das Bewusstsein erlangte er dabei nicht. Selbst dann nicht, als Danny leise auf ihn einredete. Er wollte einfach nicht die Augen aufschlagen.
Etwas zu abrupt hielt Chin schließlich an und sprang vom Fahrersitz. Schnell klappte er ihn beiseite, dann stieg auch der Detective aus. Die Sanitäter kamen bereits näher und holten den SEAL aus dem Camaro. Sie legten ihn auf die Trage und untersuchten ihn. Brachten ihn jedoch schnell zum Helikopter. Danny wollte gerne mitfliegen, doch der Sanitäter schüttelte nur mit dem Kopf. Also mussten sie mit dem Auto zum Tripler fahren. Missmutig blieben sie zurück, während die Türen zuschlugen und der Hubschrauber abhob.
Im Innenraum schlossen sie McGarrett bereits an die Geräte an. Seine Sauerstoffsättigung war im Keller und war durch die Gabe von zusätzlichem Sauerstoff auch nicht anzuheben. Bereits hier nahmen sie ihm Blut ab, um es beim Eintreffen im Krankenhaus direkt ans Labor weiterzugeben. Die Vermutung stand nahe, dass der Commander vergiftet worden war.


* * *

Auch wenn Kono und Grover am liebsten ins Krankenhaus gefahren wären, um ebenfalls ihrem Boss zur Seite zu stehen, musste sie den aktuellen Fall noch klären. Immer mehr gegen die herunterprasselnden Regentropfen ankämpfend, fuhren sie zur NSA-Behörde, wo sie bereits von Craig Costland erwartet wurden. Gemeinsam mit ihm wollten sie seinen Boss alles Weitere erklären und die NSA bitten bei der Aufklärung des Falles zu helfen. Bereits über das Telefon hatten sie ausgemacht, dass sie im Haus der Verdächtigen den Flashdrive gefunden hatten und Agent Costland vor Ort das ganze nochmals überprüft hatte. So hatten sie den Mann auch vor dem Bundesgefängnis bewahrt. Nun jedoch tigerte der Agent in der Eingangshalle auf und ab. Er wartete auf die Ankunft der Ermittler. Endlich öffneten sich die Türen und sie traten hinein. Es waren die junge Frau und der Dunkelhäutige. Mit letzterem hatte er bereits den meisten Kontakt gehabt. Sie traten zu ihm herüber.
Er führte sie ohne ein Wort zum Büro seines Chefs hinüber. Dort wartete hoffentlich eine Unterstützung auf sie. Die NSA verfügte über Mittel um Minkow auf der Insel aufzuspüren oder sonst wo auf der Welt, sollte er mittlerweile O'ahu verlassen haben.
Direktor Tyson wirkte nicht gerade begeistert, was Agent Costland hinter seinem Rücken und ohne die Genehmigung der NSA veranstaltet hatte. Er hielt es auch der Task Force vor die Nase, dass es einfach nur unverschämt war, dass sie einfach so einen Agenten um Hilfe baten ohne eine offizielle Anfrage zu starten. Dabei wirkte er über die vom Governor ausgelegte ›Immunität‹ ausgesprochen verärgert.
»Direktor Tyson«, erhob Kono ihre Stimme, »es war keines Wegs so, dass wir uns bewusst über Sie und die NSA hinweggesetzt haben, aber als wir gestern versuchten Informationen über unseren Toten zu erhalten, hat sich Ihre Behörde vehement geweigert uns eine Auskunft zu geben. Sie sollten froh sein, dass wir den Weg über Agent Costland gewählt haben. Ohne ihn hätten wir zu drastischeren Mittel gegriffen, die weder Ihnen, noch Ihren Bossen in Washington gefallen hätten.« Diese Aussage sorgte dafür, dass beide anwesenden Agenten der NSA weiß im Gesicht wurden. Danach war die Kooperation mit Direktor Tyson sehr leicht. Sofort sicherte er ihnen die Hilfe der NSA zu und fragte, was sie nun tun sollten. Innerlich grinste Grover vor sich her. Kono sollte niemals unterschätzt werden. Deutlich war ihm klar, was sie mit ›drastischeren Mitteln‹ gemeint hatte – Toast und Jerry.


* * *

Sofort wurde Steve in die Notaufnahme gebracht und die Blutproben kamen ins Labor. Steve befand sich mittlerweile am kritischen Punkt. Immer deutlicher wurden die Symptome. Das Herz schlug weiterhin langsam und das Zittern verwandelte sich mittlerweile in Krämpfe. Als der Arzt in den Raum gerannt kam, erkannte er sofort, was Sache war und holte aus einem der Schränke eine Ampulle Natriumthiosulfat. Der Commander brauchte dringend Hilfe. Er leitete es sofort in den zuvor schon gelegten Venenzugang. Zudem verabreichte er seinem Patienten eine kleine Menge von 4-DMAP, um die Zellatmung wieder zu aktivieren. Immer deutlicher nahmen die Krämpfe des Patienten ab. Langsam stieg die Sauerstoffsättigung wieder an. Es war Rettung in letzter Sekunde gewesen. Noch immer blieb der Commander Bewusstlos, doch die akute Vergiftung war gebannt.
Es dauerte nicht lange, bis die Ergebnisse aus dem Labor wiederkamen. Im Blut des Commanders ließen sich kritische Mengen von Zyankali nachweisen, genauso wie Adrenalin und ein Halluzinogen. Er nickte den Sanitätern zu, welche den Commander hergebracht hatten. Um ihn weiterhin unter Beobachtung zu halten, wurde er nach Nebenan gebracht und an die Geräte vor Ort angeschlossen.
Sobald sich der Arzt vergewisserte, dass sein Patient mittlerweile stabil war, trat er aus dem Zimmer in der Notaufnahme und suchte die Angehörigen auf.


* * *

Im rasanten Tempo näherte sich der schwarze SUV dem Hafengelände und hielt auf das Pier zu, an dem die Malaysia ablegen sollte. Einem Schiff, das nach Japan aufbrechen wollte. Doch Kono war es gelungen den Governor zu bitten dieses von der Abfuhr aus dem Wagen abzuhalten, da sich auf ihrem Deck ein gesuchter Verbrecher befand, der gestern für das Tohuwabohu auf den Straßen Honolulus gesorgt hatte. Nur mit Widerwillen hatte er schließlich zugestimmt. So hatte die Hafenleitung dem japanischen Kapitän der Malaysia ein Nein fürs Auslaufen erteilt.
Nun jedoch hielt Grover das Auto auf dem Kai an und die Insassen stiegen aus. Den beiden Five-0 Ermittlern hatte sich Agent Costland angeschlossen, der auf Befehle seines Bosses mitgekommen war. Gemeinsam bewegten sie sich nun auf das Schiff zu. Hinter ihnen hielt bereits ein Auto des HPDs und mehrere Beamten der Küstenwache kamen ebenfalls herbei. Jeder von ihnen hatte ein Foto von Minkow erhalten und wusste nun, nach wem sie suchten.
Sie betraten alle gemeinsam den japanischen Frachter und durchkämmten ihn gründlich. Mittlerweile hatten sich die dunklen Regenwolken wieder verzogen und das Licht eines wunderschönen Vormittages fiel auf die regennasse Umgebung. Die Hitze nahm zu und flirrend stieg der Wasserdampf auf. Reihe um Reihe durchkämmten Kono und Grover das Deck.
Bis jetzt hatten sie noch nichts von ihren Kollegen aus dem Tripler gehört, doch das musste keines Wegs etwas heißen. Chin hatte versprochen zurückzurufen, sobald sie von den Ärzten etwas erfahren hatten.
Das einzige, was sie bis jetzt aufgespürt hatten, waren die Besatzungsmitglieder. Mit einigen von ihnen redete Kono, doch keiner gab eine Antwort auf ihre Fragen. Niemand gab eine Auskunft darüber, wo sich auf ihrem Schiff der Gesuchte befand. Sie waren sogar schon so weit, dass sie die einzelnen Container auf dem Schiff öffneten, während die Küstenwache Unterdeck weitersuchte.
Es war bereits kurz vor Mittag, als sie endlich auf den Gesuchten stießen. Grover öffnete den Container und Kono leuchtete hinein. Statt eines weiteren vollen Raumes späte sie in gähnende Leere hinein. Im nächsten Moment vernahm sie eine Bewegung und sie konnte im letzten Moment zurückspringen, ehe sie von einer Klinge erwischt worden wäre. Grover packte den Mann entschlossen an und entriss ihm das Klappmesser. Wenig später hatten sie ihm die Handschellen angelegt. »Es ist viel gemütlicher in einem Flugzeug zurück ins Hotel zu fliegen, als wochenlang mit einem Schiff, Mister Minkow. Sie werden am Flughafen in Hickam bereits von den MPs erwartet, die Sie zurück aufs Festland bringen. Sie haben da noch eine Strafe abzusitzen, die sich nun, nach Ihrer letzten Aktion, auf ein oder zwei weitere lebenslange Strafen erweitern wird. Also werden Sie längst Staub sein, ehe Sie Ihre Strafe abgesessen haben.«
Kono kamen bei Grovers Worten ein Schmunzeln über die Lippen. Seine Sprüche waren jedes Mal ein Lächeln wert, die er zustande brachte. Unterdessen klingelte nun auch ihr Handy. Grover gab über Funk Bescheid, dass sie den Verdächtigen in Gewahrsam genommen hatten und nun nach Hickam brachten. Es war vereinbart worden, dass die Behörden, welche Minkows Ausbruch untersuchten, die weiteren Befragungen durchführen wollten.
Kono unterbrach derweilen ihr Telefongespräch. Sie wirkte erleichtert. »Steve ist außer Lebensgefahr. Genaueres wollen uns die Jungs im Krankenhaus erklären.«
»Sehen Sie, Minkow, es bringt nichts, McGarrett umbringen zu wollen. Er ist wie eine Kakerlake. Die überleben auch immer.« Die Miene des Mannes konnte in diesem Moment nicht finsterer sein können. Jetzt war es ihm nicht nur verwehrt worden, Rache an den anderen Mitgliedern an Strawberry Field zu nehmen – nein, es war auch verhindert worden, dass Commander McGarrett endgültig den Löffel abgab. Wütend funkelte er die Ermittler der Task Force an. Offenbar hatte er das Team gehörig unterschätzt. Er hasste es abgrundtief, wenn eine Mission scheiterte. Dabei hatte er gehofft, dass die Task Force nicht weiter bohrte, wenn sie die drei Verdächtigen in der Flughalle fanden und festnahmen.


* * *

Es dämmerte draußen bereits vor den Fenstern, als Steves Augenlider flatterten und er nach längerem wieder zu sich kam. In seinem Kopf herrschte ein Durcheinander aus Bilder, Emotionen und Erinnerungen. Auch fühlte er sich noch ziemlich schwach. Dennoch blickte er in die erleichterten Gesichter seiner Freunde. Sie alle wirkten erleichtert und erfreut zugleich, als er endlich die Augen aufschlug. Sofort war es Steve klar, dass etwas passiert war, wenn er im Krankenhaus lag. Jedoch konnte er beim besten Willen nicht sagen, was es war. Sein Gehirn fühlte sich an, als hätte es jemand durch den Wolf gedreht.
Während er so langsam feststellte, dass es vor dem Fenster dämmerte und Chin eine Platzwunde seitlich des Auges trug, schwebten ihm der würzige Duft von Schrimps in die Nase. Er drehte den Kopf und entdeckte Kamekona in einem der Besucherstühle sitzen. Auf dem Nachtschrank stand eine letzte unangerührte Packung Schrimps. »He Boss«, begrüßte ihn die einzige Frau in der Runde.
Wieder langsam munter werdend, stützte sich der SEAL mit den Handballen ab und rutschte vorsichtig höher. Sofort half ihm Chin, der neben ihm Platz genommen hatte. Danny lehnte neben Grover und einem Mann, dessen Gesicht Steve im entferntesten bekannt vorkam, am Fenster. Kono saß neben ihrem Cousin. »Hab ich wieder eine meiner Aktionen ausgeführt und ist diesmal etwas schiefgelaufen?«, wollte er von seinem Team wissen. Er wirkte auch in der Stimme noch schwach und ausgelaugt. Er hatte keine Ahnung, woher es rührte. Das Team schüttelte entschlossen den Kopf. Danny gab ihm eine Antwort darauf.
»Du wurdest entführt und mit Zyankali vergiftet, was aber durch eine Wechselwirkung mit dem Rest des Cocktails erst verspätet deinen Körper angegriffen hat. Wir konnten dich im letzten Moment aufspüren. Kannst du dich wirklich an nichts mehr erinnern?«
Steve schüttelte bei dieser Frage entschlossen den Kopf. Alles in seinem Kopf war zu Brei zertreten und nur schwach drangen Erinnerungen auf ihn ein, die er jedoch nicht einordnen konnte. »Ist alles weg. Wie lange war ich weg?«
»Geschlafen hast du den halben Tag, entführt wurdest du gestern Mittag. Du solltest Agent Costland hier danken. Ohne ihn wären wir so schnell nicht auf deine Spuren gekommen, besser gesagt hätten wir keine Ahnung gehabt, mit was wir rechnen mussten.« Verwirrt blickte er zu dem seltsam vertrauten Mann, der neben Danny stand. Leicht durchzuckte ihn ein Augenblick. Sie standen in seinem Büro. Doch was sie sprachen, wusste Steve nicht. Nun trat der dunkelhaarige Agent auf ihn zu. »Sie erinnern sich an mich?«
»Nur ganz schwach. Das letzte, woran ich mich erinnern kann ist das Gespräch mit Danny, dass er morgen früh etwas später ins Büro kommt, weil er Grace zum Flughafen bringen muss«, gab Steve nun offen zu. Er wollte eigentlich nicht wissen, wie lange dieses Gespräch in der Vergangenheit lag. »Dann fehlen dir zum Glück nur zwei Tage, Boss. Am nächsten Morgen haben wir diesen unheilvollen Fall ins Haus bekommen«, erklärte ihm Kono.
In diesem Moment wirkte der Commander ungemein erleichtert. Er würde noch Geduld haben müssen, bis die Erinnerungen wiederkamen. Auf seinem Unterarm erblickte er einen frischen, weißen Verband. Er war neu, das wurde ihm bewusst. Er hatte ihn etwas dreckiger und mitgenommener in Erinnerung.
Grover wandte sich in diesem Moment an den Agenten. »Dann wird Commander McGarrett auch nicht wissen, was Sie gestern Morgen mit ihm über Catherine gesprochen haben. Wären Sie so freundlich, es für alle zu widerholen? Wir werden es sowieso, auf kurz oder lang, erfahren.«
Fragend hob Steve eine Augenbraue. Was sollte das mit Cath? Unmerklich schüttelte Danny den Kopf. »Nicht jetzt und heute. Steve braucht Ruhe, in Ordnung? Wir sollten jetzt auch besser gehen!« Mit diesen Worten warf der Jersey-Cop jeden anderen im Raum auf unverschämte Art hinaus. Nur der Patient selbst, sein Abendessen und sein Partner verblieben im Raum. Kaum kehrte Ruhe ein, drehte sich Steve zu ihm, da sich Danny mittlerweile auf Chins Platz gesetzt hatte. »Was ist mit Cath?«
»Agent Costland kam eigentlich aus dem Grund ins Büro, um mit dir über Catherine zu reden, ehe wir ihn unfreiwillig in unsere Ermittlungen einbezogen haben. Er hat dir mitgeteilt, dass sie bei meinem Auftrag im Nahen Osten ums Leben kam. Es tut mir so leid, Kumpel.« Ehrliches Mitgefühl standen Danny ins Gesicht geschrieben.
Steve wirkte vollkommen ungläubig und fassungslos. Er glaubte, Danny würde ihm einen Bären aufbinden. Dann schloss er die Augen und winzige Tränen rannen ihm über die Wange. Die innere Trauer war in diesem Moment größer. Sein Mädchen war tot. Es traf ihn mehr, als er geglaubt hatte, trotz des Schmerzes, den sie ihm verpasst hatte. Mitfühlend legte Danny ihm eine Hand auf die Schulter. Still nahm es der Commander entgegen.
Irgendwann zog ihn die Erschöpfung wieder hinab in den Schlaf. Gleichmäßige Atemzüge erfüllten den Raum. Danny warf einen Blick auf den Abend von Honolulu. Sie würden es Steve irgendwann sagen müssen, dass sie mittlerweile wussten, was Strawberry Field beinhaltete. Spätestens, wenn er nachfragte, wer ihn entführt hatte.
Doch bis dahin würde sich der Commander erholen und kraft haben, damit er das verdauen konnte, was mit ihm im Bunker geschehen war. Moment war es ein Segen, dass er sich an nichts erinnern konnte.

-E N D E-
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